Die summende Linde

„Klingt meine Linde? Singt meine Nachtigall?“

Diese wundervollen Zeilen stammen aus einer Geschichte von Astrid Lindgren. Einer traurigen Geschichte. Einer von den Geschichten, bei denen man schon nach wenigen Sätzen einen Kloß im Hals hat. Es ist auch keine versöhnliche Geschichte. Es gibt nicht das klassische „alles ist wieder gut“ Ende. Eher hinterlässt sie einen aufgewühlt, fragend, traurig und doch ist man so verzaubert, sprachlos, ergriffen. Astrid Lindgren ist eine Meisterin der Schreibkunst, eine Wortkünstlerin, eine Fantasiemalerin. Doch wer harmlos seichte Kinderliteratur sucht ist hier fehl am Platz. In ihren Geschichten wird nicht selten das unsäglichste Leid beschrieben. Und es kommt kein Ritter auf einem weißen Pferdes und wendet alles zum Guten. Aber immer ist es die Fantasie, die ihren kleinen und großen Akteuren das Leben und die Seele rettet. Es ist der einzige Ort, an dem man sich immer zurück ziehen kann, wo einen niemand beherrschen, unterdrücken oder verletzen kann. Der letzte freie Ort in den dunkelsten Stunden des Lebens.

Die Geschichten von Astrid Lindgren sind so bezaubernd, dass sie mich oft nie mehr loslassen und mich im Alltag immer wieder für einen kurzen Moment in eine Märchensequenz entführen. Kleine unbedeutende Momente werden malerisch, lyrisch. Die tragische Schönheit der Bilder, die sie in mir erzeugt, verändern meinen Blick auf die Welt, sind wie ein Zugang in die Welt der Elementarwesen. Wo aus einer Erbse eine Linde wachsen und ein Mädchen einem Baum eine Seele schenken kann.

Ich selbst habe das unbeschreibliche Geschenk erhalten, tatsächlich einer klingenden Linde zu begegnen. Ich liebe Linden schon immer. Wann immer ich eine sehe, kommt mir sofort ein Liedtext in den Sinn: „Wo wir uns finden, wohl unter Linden, zur Abendstund…“ Als ich im Sommer mit meinen Kindern einige Tage in einem Ashram in Dänemark verbrachte, hörte ich bei meiner Ankunft, als ich aus dem Auto stieg, ein lautes Summen, wie von hunderten Bienen. Ich dachte, es müsse irgendwo ein Bienenstock sein aber es war nirgendwo einer zu entdecken. Am nächsten Tag kam ich etwa zur gleichen Zeit wieder an dieser Stelle vorbei und wieder hörte ich das lautet Summen. Ich versuchte dem Ursprung des Geräusches auf den Grund zu gehen. Aber alles was ich sah, war eine große Linde. Der süße Duft ihrer Blüten stieg mir in die Nase. Ich stellte mich unter ihre massige Krone und sah nach oben in den wulstigen Dachstuhl aus dicken Ästen und dichtem Blätterwerk. Da entdeckte ich, dass an jeder einzelnen Blüte dieses riesigen Baumes eine Biene saß. Daher kam das summen. Hunderte von Bienen, die an hunderten von Blüten saßen. Ich stand unter einer summenden Linde. „Klingt meine Linde? Singt meine Nachtigall?“ Was für ein Moment. Was für ein Geschenk…

Der Junge und der Schaffner

© Agnieszka Rygula Agi Rygula Photography

Ein kleiner Junge stand an einem Bahnsteig, an den Rock seiner Mutter geklammert. Seine Hände steckten in Fäustlingen, ein Schnürsenkel der kleinen Lederschuhe war offen, er trug einen warmen Wollmantel und das kleine Gesicht lugte unter einer dicken Strickmütze hervor. Es war so kalt, dass jeder Atemzug kleine Wölkchen erzeugte. Die kleine Nase war rot und triefte.  Neben ihm standen drei große Koffer.
Mutter und Vater waren ebenfalls in dicke Mäntel gehüllt und gerade stritten sie lautstark über die Fahrkarten.
„Sei schön brav mein Schatz und warte hier auf uns.  Dein Vater und ich müssen eben zum Eisenbahnschalter. Wir sind gleich zurück.“ Sagte die Mutter zu ihrem Sohn und war gleich darauf in der Menschenmenge verschwunden. Ängstlich schaute der kleine Junge sich um. Es war viel los auf dem Bahnsteig. Hier und dort standen Grüppchen von jungen Tagelöhnern, die sich lachend und scherzend die kalten Hände rieben. Feine Herren in noch feineren Mänteln führten zarte Damen in schönen Kleidern und Pelzmänteln am Arm. Pagen schleppten Berge von Gepäck hinter ihnen her. Väter und Mütter saßen mit kleinen  Kindern auf dem Schoß auf den Bänken und versuchten sich gegenseitig so gut es ging zu wärmen. Nicht weit von ihm wickelte ein älterer Herr ein Butterbrot aus und begann zu essen.
Der kleine Junge fühlte sich schrecklich verloren. Ihm gefiel das alles nicht. Warum waren sie hier, warum war er nicht bei der Großmutter, in deren großem alten Haus sie wohnten. Das alte Haus mit den vielen Zimmern und dem netten Dienstmädchen, die ihm im Winter heiße Schokolade zum Frühstück machte.
Da kündigte von Ferne ein lautes Tuten die Ankunft der schweren Dampflokomotive an. Schwerfallig schnaufend fuhr sie in dem Bahnhof ein und hielt schließlich mit einem schrillen Quietschen der Bremsen am Bahnsteig. Der Dampf der Lokomotive hüllte den Bahnsteig und alle Menschen darauf in dichten Nebel.
Da sah der Junge einen Mann aus einem Waggon steigen. Er trug einen schwarzen Mantel und eine Schaffnermütze auf dem Kopf. Der Mann sah sich um. Als er die ehrfürchtigen Blicke des Jungen bemerkte, schaute er ihn eine Weile an und kam dann zu ihm herüber. Er ging vor ihm in die Knie und fragte freundlich: „Na kleiner Mann, wo sind denn deine Eltern?“ Der kleine Junge wies mit dem kurzen Ärmchen hinter sich und sagte: “ Sie sind da entlang gegangen, aber sie kommen gleich wieder.“ „Ganz bestimmt!“ Sagte der Schaffner und lächelte. „Und wohin geht die Reise?“, fragte er noch. „Ich weiß es nicht.“ Sagte der kleine Junge scheu und Furcht spiegelte sich in dem kleinen Gesicht. Der Schaffner sah das Kind eine Weile an. Dann sagte er: „Weißt du mein Junge, wenn man sein Ziel fest im Herzen trägt, ist es egal wo man hin geht. Man kommt immer an genau dem richtigen Ort an.“ Er nahm seine Mütze vom Kopf und setzte sie dem Jungen auf. „Hier, die schenke ich dir, bringt Glück!“ Und er zwinkerte dem Jungen zu. Dann erhob er sich und verschwand langsam im Dunst des Bahnsteigs.
Kurz darauf kamen die Eltern des Jungen zurück und stiegen mit Sohn und Gepäck in die Eisenbahn. Schwerfallig setzte diese sich in Bewegung, einer neuen Stadt, einem neuen Zuhause und einer neuen Zukunft entgegen.
Die Jahre vergingen und der Junge wuchs heran. Er bekam eine gute Ausbildung, fand einen guten Job, heiratete eine liebevolle schöne Frau, eröffnete ein eigenes Geschäft, kaufte ein großes Haus mit vielen Zimmern und einem Dienstmädchen, das im Winter heiße Schokolade für seine Kinder machte und führte ein zufriedenes Leben. Die Begegnung mit dem Schaffner hatte er niemals vergessen.
Jetzt, fast ein halbes Jahrhundert später, stand er wieder an einem Bahnsteig. Vor ihm stand sein ältester Sohn, in kurzen Hosen, Hemd und Wanderstiefeln, mit einem ledernen Rucksack auf dem Rücken in dem nicht viel mehr war, außer einigen wenigen Wechselsachen und ein paar Geldscheinen, für den nötigsten Bedarf. Wie gerne hätte er seinem Sohn wenigstens noch ein bisschen Geld zugesteckt, doch das hatte dieser bereits abgelehnt. Das gesparte Geld für die Ausbildung lag auf der Bank und dort würde es bleiben, bis der Sohn zurück kehren würde. Wann immer das auch sein würde.
Was hatten sie für schlaflose Nächte gehabt, seit der Sohn den Eltern eröffnet hatte, dass er nach Beendigung der Schule kein Studium beginnen, sondern auf gut Glück in die Welt hinaus ziehen würde um zu sehen, wohin es ihn verschlägt. Was hatten sie gestritten, auf ihn eingeredet, an seine Vernunft appelliert, ihm gedroht und ihn schließlich angefleht. Die Mutter hatte tagelang geweint und der Vater nichts mehr essen können. Mit Schrecken hatten sie diesem Tag entgegen gesehen, doch da an dem Entschluss des Jungen nicht zu rütteln war, blieb Ihnen letztendlich nichts anderes übrig, als ihm ihren Segen zu geben und ihn ziehen zu lassen. Die Mutter und die Schwester hatten sich schluchzend von ihm verabschiedet und der kleine Bruder hatte ihm auf die Schulter geklopft, nicht ohne eine Spur Neid in den Augen. Der große Bruder würde Abenteuer erleben. Natürlich hatte er versprechen müssen, wenigstens jede Woche einmal zu schreiben.
Und nun standen sie hier, der Vater und sein Sohn, den er nun ins Ungewisse gehen lassen würde, schweigend, um Worte ringend.
Schließlich war es der Vater, der das Schweigen brach: „Ich habe hier etwas für dich.“ Sagte er und zog die zerknitterte löchrige Schaffnermütze aus seiner Tasche. Der Sohn hob abwehrend die Hände. „Aber Vater, du kannst mir doch nicht deine Mütze schenken, sie ist dein Glücksbringer!“ Doch der Vater winkte ab. „Ich habe im Leben alles erreicht was ein Mensch sich wünschen kann. Ein gut laufendes eigenes Geschäft, Wohlstand, gute Freunde und die Liebe einer Familie. Nun stehst du am Anfang deines Erwachsenenlebens und musst entscheiden, in welche Richtung du gehen möchtest, was für ein Mann du sein möchtest. Und dabei kannst du jedes Fünkchen Glück gebrauchen, das du bekommen kannst.“ Bei diesen letzten Worten setzte er ihm die Mütze auf den Kopf. Er schwieg und sah seinem Sohn in die Augen. Und nach kurzem Zögern fügte er hinzu: „Weißt du mein Sohn, wenn man sein Ziel fest im Herzen trägt, ist es egal wo man hin geht. Man kommt immer an genau dem richtigen Ort an.“
Der Sohn lächelte und nahm seinen Vater in die Arme. Er drückte ihn fest an sich. Neben Ihnen setzte die Eisenbahn sich langsam in Bewegung. Der Junge löste sich vom Vater und sprang auf das Trittbrett des nächsten Waggons. Er drehte sich zum Vater um und schwenkte zum Abschied die Mütze, während der Zug aus dem Bahnhof rollte, einer neuen ungewissen Zukunft entgegen.

Über Waldelfen

Tief im Wald, an einem verzauberten See steht eine uralte knorrige Weide. Seit hunderten von Jahren steht sie dort und lässt ihre langen, schweren Zweige hinab hängen in das kristallklare Wasser dieses magischen Sees. Und in der Weide versteckt lebt eine kleine Waldelfe namens Orlanda. Sie ist eine der letzten vom vergessenen Elfenvolk. Waldgeister, die schon immer da waren, von Anbeginn, als die Welt noch jung war, als die Flüsse noch klar, die Wälder unendlich und Wiesen, Täler und Berge weit und majestätisch waren. In dieser alten und freien Welt, voller Zauberer, Magier, Hexen, Riesen und verwunschenen Wesen lebten die Elfen in Frieden und verbreiteten Liebe und Güte. Ihr Zauber lag über jeder Blume, jedem Blatt und jedem Stein. Sie halfen den Pflanzen wachsen und ihre Elfentränen konnten Wunden heilen. Doch eines Tages kam Unheil über die Welt. Der Mensch erhob sich über alles Leben und machte die Pflanzen, Tiere und Mutter Erde zu Sklaven seiner Gier. In seinem Streben nach Macht metzelte der Mensch alles nieder und zerstörte das zarte Gleichgewicht der Kräfte der Natur. Die Elfen starben mit den Lebewesen die sie umsorgten. Sie starben an gebrochenen Herzen und Verzweiflung über die Zerstörung, denn alle Tränen reichten nicht aus, um das Leid zu heilen. Nur einige konnten sich in die wenigen noch übrigen Zauberwälder retten. Sie bannten diese letzten Regionen der alten Welt mit Magie und schützten sie fortan vor der Welt außerhalb. In der Welt der Menschen gerieten die Elfen in Vergessenheit. Die Erwachsenen verloren ihre Fähigkeit an sie zu glauben und so war niemand da, der den Kindern von ihnen erzählen konnte. Nur einige wenige, die den Glanz der alten Tage noch im Herzen spürten, erzählten Geschichten von den Elfen und schufen eine Märchenwelt, in der sie weiterleben konnten. Und solange es Kinder gibt, die an Elfen glauben, leben sie weiter, im Verborgenen, an diesen magischen Orten.

Frühlingserwachen

Ersehnter Hauch von Frühlingsbanden

Schweifend durch das Königsblau

In grad ergrünten weiten Landen

Ist lieblich noch der erste Tau

Im tiefen Blau des Frühlings Augen

Unergründlich, kalt und klar

Sich scheu die ersten Blüten zeigen

Des Winters Träume sind noch nah

Noch fern der Sonne warme Fäden

Im ersten Morgenlicht erstarrt

Des Frühlings Lächeln mild gegeben

das eisig einen Schatz bewahrt

Wie Diamant aus Eis und Stein

So funkelnd hell und Lichterfüllt

So ist des Frühlings erstes Sein

In mystisch weiß´ Gewand gehüllt

Eine Nacht im Mai

Frühlingsdüfte ziehen leise,

in den Lüften ihre Kreise.

Sonne die in Pracht geschienen,

versank schon hinter Wolkendünen.

Blutes roter Hauch verschwand,

in des Himmels weitem Band.

Ruhe ist nun Schlafes Meister,

tränkt die müden Seelengeister.

Alle schlafen sie nun sacht,

in der Schwärze dieser Nacht.

Still durchwebt vom sanftenSchein

der Himmelskinder Licht allein.

Sternenfunkel Silberglanz,

Mondesschleier leiser Tanz.

Bevor die Welt in Licht erwacht,

genieße Still nun diese Nacht.

Reise zu den Sternen

Fantasiereisen sind eine tolle Möglichkeit zur Stressbewältigung und um den häufig viel zu hohen Muskeltonus herunter zu fahren.

Auch für Kinder sind sie eine schöne Strategie, in einem hektischen Alltag kurz zur Ruhe zu kommen. Sie regen die Fantasie an und können eine tolle Bereicherung für die Eltern-Kind Beziehung sein. Vor allem, wenn man noch sanfte Massagen einbaut. Durch die Berührung werden zusätzlich das Immunsystem angeregt, Endorphine frei gesetzt, die glücklich machen und außerdem Oxytocin ausgeschüttet, was beruhigend und stress- und angstlindern wirkt. Eine Fantasiereise mit Massage kann also in vielen Situationen eine tolle Hilfe sein, zum Beispiel am Abend vor einer Klausur, vor dem Einschlafen oder wenn das Kind sehr traurig ist.

Ich habe einen Sohn, der eher stressanfällig und oft sehr angespannt ist. Wir haben die Fantasiereisen eingeführt, um etwas Druck von ihm zu nehmen, zum Beispiel nach der Schule. Wir ziehen uns dann für zehn bis zwanzig Minuten zurück, machen eine schöne Entspannungsmusik an (auf Youtube, Schlagwort „Entspannungsmusik für Kinder“) und lesen eine Fantasiegeschichte. Dabei liegt er meistens mit dem Bauch über meinem Schoß, so dass ich ihm den Rücken massieren und kraulen kann. Der Raum sollte schön warm sein.

Da wir uns sowieso gerne zusammen Geschichten ausdenken, habe ich angefangen, die Fantasiereisen selbst zu schreiben. Hier ist ein Beispiel:

(Diese Geschichte eignet sich am besten zum Einschlafen. Langsam und ruhig vorlesen. Zwischendurch kurze Pausen machen und das Kind tief ein und aus atmen lassen.)

Es ist Nacht. Der Mond leuchtet hell in dein Zimmer. Das silbern helle Licht scheint dir ins Gesicht und kitzelt dich an der Nase. Du stehst auf und setzt dich ans Fenster. Die Welt schläft. Dunkel heben sich die Umrisse der Bäume, Sträucher und Häuser gegen das helle Mondlicht ab. Eine Laterne leuchtet matt am Straßenrand. Am Himmel leuchten tausende Sterne mit dem Mond um die Wette. Es glitzert und funkelt. Du öffnest dein Zimmerfenster und atmest die frische Nachtluft ein- ein und aus… und ein und aus… ganz tief. Ach wie wäre es schön, jetzt zu den Sternen fliegen zu können.

Da siehst du auf einmal, eine kleine Nussschale, mit weißem Segel, am Himmel auf dich zufliegen. In der Nussschale sitzt ein kleines Männchen, mit einer Laterne in der Hand und einem Säckchen am Gürtel. Das Männchen hat einen blauen Mantel an und ein lustiges kleines Bärtchen am Kinn. Es ist der Sandmann, der dir fröhlich zuwinkt. Er lächelt und du lächelst zurück.

Das kleine Boot hält direkt vor deinem Fenster. Der Sandmann nickt dir zu und du kletterst in das Boot. Eine kuschelige weiche Decke, mit vielen Sternen bedruckt, liegt auf deinem Platz und du kuschelst dich darin ein. Ach ist das schön gemütlich. Ein warmes wohliges Gefühl breitet sich in deinem ganzen Körper aus. Du atmest tief ein und aus.

Das kleine Boot setzt sich in Bewegung. Langsam segelt es hinauf zu den Sternen.

Als es am Mond vorbei fliegt, siehst du den Mann der auf dem Mond wohnt. Er schlendert mit seiner Laterne und seinem dunklen Umhang gemütlich durch den glänzenden Staub. Du winkst ihm fröhlich und er zwinkert dir zu.

Weiter geht die Reise, durch die samtschwarze Nacht, ins tiefe weite All. Ihr fliegt an golden und silbern glitzernden Sternen vorbei.

Bald seid ihr so weit geflogen, dass ihr von weitem die Milchstraße sehen könnt. Unsere wunderschöne, kringelförmige Galaxie, die von all den kleinen und großen Sternen in tausend Farben erstrahlt.

Du fühlst dich ganz leicht und geborgen. Du weißt, dass auch du ein Teil dieses vollkommenen Universums bist.

Langsam wirst du müde und du gähnst. Uuuuaaaaahhhh.

Leise schwebt das Boot zurück Richtung Erde. Deine Augen werden immer schwerer und fallen dir zu. Ihr kommt zu einer wunderbar weichen, flauschigen Wolke. Der Sandmann legt dich hinein und deckt dich schön warm zu.

Dein ganzer Körper ist leicht, entspannt und fühlt sich herrlich warm und müde an. Die Wolke ist so weich und kuschelig. Der Sandmann, streut dir noch ein wenig glänzenden Schlafsand über die Augen, bevor er wieder leise in der Nacht verschwindet. Der gutmütige alte Mond wacht über dein Wolkenbett. Du fühlst dich sicher und geborgen.

Seelig schläfst du ein und du weißt, wenn dich die Sonne am Morgen weckt, wirst du wieder in deinem gemütlichen Bettchen in deinem Zuhause liegen.

Der Nussknacker

Angelehnt an E. T. A. Hoffmanns „Nussknacker und Mausekönig“

Es ist Heiligabend. Du liegst in deinem Bettchen und deine Gedanken sind erfüllt von all den Erlebnissen des vergangenen Abends. Die Lichter, das Glänzen, die Düfte, all die schönen Geschenke und was habt ihr gelacht. Noch immer spürst du dieses Lachen in deinem Herzen.
Du kannst nicht einschlafen, weil du noch so aufgeregt bist.
Leise schleichst du aus deinem Zimmer. Aus der Küche hörst du leises Geklapper. Jemand wäscht ab.
Im Wohnzimmer brennen noch die Lichter am Baum und in den Fenstern. Der Weihnachtsbaum ist mit bunten Kugeln, Sternen und kleinen Engeln geschmückt. Unter dem Baum liegen noch die Geschenke. Es duftet nach Zimt, Apfel, Mandarine und nach Kerzenrauch. Du atmest tief ein. Oh dieser herrliche Duft. Du fühlst dich warm und geborgen. Du nimmst deine neuen Spielsachen in den Arm und kuschelst dich aufs Sofa. Da ist dein neues Schmuckkästchen, mit der Schönen Tänzerin auf dem Deckel. Und wenn du den Deckel öffnest, fängt eine kleine Fee mit Ballettschuhen und einem winzigen Zauberstab in der Hand an zu tanzen und sich zu drehen. Dazu erklingt eine herrliche Melodie.
Und dann ist da der tolle Nussknacker, mit seinem roten Jäckchen, dem weißen Rauschebart und der Krone auf dem Kopf.
Und natürlich das schöne Buch mit den drei frechen kleinen Mäusen, die lauter lustige Abenteuer erleben. Du wünschst dir, du könntest mit ihnen zusammen spannende Abenteuer erleben.
Doch was ist das, der Deckel von deinem Schmuckkästchen fängt plötzlich an zu ruckeln und zu wackeln. Vorsichtig öffnest du ihn und schaust hinein. Die schöne Melodie erklingt und aus dem Kästchen heraus klettert die kleine Fee. Lachend hüpft sie über deinen Schoß, auf das Sofa und dann auf den Fußboden. Sie schwingt ihren Zauberstab und Ping, ist sie so groß wie eine erwachsene Frau. Sie hat goldene lockige Haare und ein wunderschönes weißes Kleid an, mit einem bauschigen Tüllrock. Der Zauberstab in ihren Händen glitzert und funkelt.
Wieder schwingt sie den Stab und diesmal erwacht der Nussknacker zum leben. Auch er wird groß und verbeugt sich feierlich vor der Fee. Die beiden fangen an zu tanzen. Sie schweben durch das Wohnzimmer und drehen und drehen sich, schneller und immer schneller. Dabei wirbelt Feenstaub durch den Raum. Ein paar glitzernde Funken landen auf dem Buch.
Da hüpfen auf einmal die drei kleinen Mäuse heraus und laufen lachend über den Fußboden. Eine von ihnen wirft sich ein Tuch über die Schulter und setzt sich deine Spielkrone auf den Kopf. Sie läuft hinter den anderen her und tut so, als würde se sie herum kommandieren. Die Fee und der Nussknacker sehen die Mäuse nicht und so tanzen sie arglos weiter.
Da gerät die Maus mit der Krone auf dem Kopf zwischen die Beine des Nussknackers und der arme stolpert und landet mit lautem Getöse auf dem Boden. Seine Krone sitzt jetzt ganz schief auf seinem Kopf. Der Mausekönig rollt wie ein Filzball durch den Raum, landet mit großen Augen auf dem Rücken und rudert mit den Ärmchen und Beinchen. Das sieht so lustig aus, dass du anfängst, laut zu lachen.
Da bemerken dich auf einmal die anderen. Die Fee kommt lachend auf dich zu und reicht dir ihre Hand. Als du aufstehst, stehst du plötzlich in einem prächtigen Ballsaal. Samtblaue Vorhänge hängen an den riesigen Fenstern und die weißen Wände sind mit Stuck verziert. Funkelnde Kronleuchter hängen an den Decken und überall leuchten Kerzen. Es duftet herrlich weihnachtlich und kleine Mäuse mit schwarzen Gehröcken und weißen Tüchern über den Ärmchen flitzen durch die Gegend und verteilen Punsch an die Gäste. In einer Ecke spielt ein kleines Orchester aus Mäusen und auf einer Bühne sitzt der kleine Mausekönig, jetzt in einen flauschigen Hermelin gekleidet, mit einer Mausekönigin in einem königlichen Ballkleid an seiner Seite, auf einem Thron. Die Gäste sind beeindruckend und prunkvoll gekleidet. Dort tanzt eine japanische Geisha in blauer Seide mit Kirschblütenmuster, dort eine spanische Tänzerin mit schwarzer Bluse und einem roten, wallenden Rock. Eine indische Tänzerin mit glitzernden bunt bestickten Tüchern zeigt einen traditionellen Bauchtanz. Und in der Mitte des Raumes führen russische Tänzer mit runden Pelzmützen auf dem Kopf den traditionellen Kosatschok vor.
Der Nussknacker nimmt dich an der Hand und führt dich auf die Tanzfläche. Du hast jetzt ein wunderschönes Schneefarbenes Kleid, mit einer langen Schleppe und glitzernden Sternen bedruckt an. Und während ihr durch den Ballsaal tanzt, laufen die frechen Mäuse lachend um dich herum und drehen dich immer schneller und schneller. Du musst so lachen, dass die der Bauch weh tut. Ist das herrlich. Die Zeit vergeht wie im Flug. Da hebt der Mausekönig sein Zepter und verkündet das Ende der Ballnacht. Alle verbeugen sich dankbar und ehrfürchtig. Du schließt deine Augen, um noch einmal ganz tief den herrlichen Duft einzuatmen. Und als du die Augen öffnest, liegst du in deinem Bettchen, deine Mama sitzt lächelnd über dich gebeugt davor und streichelt dir das Haar. Sie gibt dir einen sanften Kuss und seelig lächelnd, mit dem Nussknacker im Arm, schlummerst du friedlich ein.

Eine Waldelfe namens Orlanda

Tief im Wald, an einem verzauberten See steht eine uralte knorrige Weide. Seit hunderten von Jahren steht sie dort und lässt ihre langen, schweren Zweige hinab hängen in das kristallklare Wasser dieses magischen Sees. Und in der Weide versteckt lebt eine kleine Waldelfe namens Orlanda. Sie ist eine der letzten vom vergessenen Elfenvolk. Waldgeister, die schon immer da waren, von Anbeginn, als die Welt noch jung war, als die Flüsse noch klar, die Wälder unendlich und Wiesen, Täler und Berge weit und majestätisch waren. In dieser alten und freien Welt, voller Zauberer, Magier, Hexen, Riesen und verwunschenen Wesen lebten die Elfen in Frieden und verbreiteten Liebe und Güte. Ihr Zauber lag über jeder Blume, jedem Blatt und jedem Stein. Sie halfen den Pflanzen wachsen und ihre Elfentränen konnten Wunden heilen. Doch eines Tages kam Unheil über die Welt. Der Mensch erhob sich über alles Leben und machte die Pflanzen, Tiere und Mutter Erde zu Sklaven seiner Gier. In seinem Streben nach Macht metzelte der Mensch alles nieder und zerstörte das zarte Gleichgewicht der Kräfte der Natur. Die Elfen starben mit den Lebewesen die sie umsorgten. Sie starben an gebrochenen Herzen und Verzweiflung über die Zerstörung, denn alle Tränen reichten nicht aus, um das Leid zu heilen. Nur einige konnten sich in die wenigen noch übrigen Zauberwälder retten. Sie bannten diese letzten Regionen der alten Welt mit Magie und schützten sie fortan vor der Welt außerhalb. In der Welt der Menschen gerieten die Elfen in Vergessenheit. Die Erwachsenen verloren ihre Fähigkeit an sie zu glauben und so war niemand da, der den Kindern von ihnen erzählen konnte. Nur einige wenige, die den Glanz der alten Tage noch im Herzen spürten, erzählten Geschichten von den Elfen und schufen eine Märchenwelt, in der sie weiterleben konnten. Und solange es Kinder gibt, die an Elfen glauben, leben sie weiter, im Verborgenen, an diesen magischen Orten.

Lulu und die Piraten

© Christina Krüger Thalyndra-Artworks

Es war einmal, eine finstere Piratenbande. Der Kapitän hieß Säbel-Sven, der erste Maat hieß Bootskalle und die Männer der Besatzung hießen Pepe, Rolfe und Angelo. Außerdem gab es noch den Koch, der hieß Käjüten-Karl. Die sechs Piraten lebten auf einer einsamen Insel. Dort waren sie gestrandet, als vor zehn Jahren ihr Schiff gekentert und auf dem Meeresboden versunken war. Zum Glück konnten sie damals ihren Schatz retten und mit auf die Insel nehmen. Er lag nun versteckt in einer steinernen Grotte in einer Bucht, die sie Höllenschlucht nannten, denn sie war von hohen Felsen umgeben und war nur über Wasser zu erreichen. Der Schatz befand sich in einer großen Holztruhe mit Eisenbeschlägen, auf dem ein altes Skelett mit einem Kopftuch und einem Säbel in der Hand saß. Das Skelett hieß Glatzen-Piet und war seit vielen Jahren das Maskottchen der Piraten. Es war auf der ganzen Welt mit den Piraten umhergesegelt und lag ihnen sehr am Herzen. Da sie nun sowieso hier fest saßen, hatten Sie Glatzen-Piet auf die Kiste gesetzt, damit die Schatzgrotte noch unheimlicher wirkte. Die Piraten saßen nun also hier fest und hatten den ganzen Tag nicht viel zu tun. Sie schärften ihre Säbel, tranken aus kokosnüssen, aßen eines der vielen Gerichte, die Käjüten-Karl für sie zubereitete- natürlich ausschließlich aus dem einzig Essbaren, was es auf der Insel gab- Bananaen und ansonsten ließen sie sich die Sonne auf den Bauch scheinen und taten gar nichts. Es gab ja nicht einmal ne Buttel Rum, mit der sie sich die Zeit des Wartens leichter machen konnten. Nur Angelo saß den ganzen Tag auf einer Palme in einem selbst gebauten Ausguck und suchte mit seinem Fernglas den Horizont ab. Am Anfang waren sie alle noch zuversichtlich gewesen, doch nach so vielen Jahren glaubte eigentlich niemand mehr daran, dass Angelo noch jemals etwas entdecken würde. Nur ein paar mal hatte er versehentlich einen vorbeischwimmenden Waal für ein Schiff gehalten. Doch heute passierte tatsächlich etwas ungewöhnliches. Es war Mittag und Kajüten-Karl räumte gerade das Geschirr vom Mittagessen weg- Es gab heute Bananenauflauf- da schrie Angelo aus Leibeskräften: „Flasche Ahoi! Flaschenpost auf Steuerbord!“  Kapitän Säbel-Sven erwachte aus seinem Schlaf und schrie:“ Na los ihr Ratten, ab ins Wasser mit euch, die Flasche bergen. Und kommt mir ja nicht ohne zurück, sonst mache ich euch Beine!“ Sofort rannten alle Piraten los und stürzten sich in die Wellen. Rolfe war als erster bei der Flasche. Prustend und stolz, kam er mit der Beute an Land. In der Flasche war tatsächlich ein Brief, in krakeliger Kinderschrift geschrieben. In dem Brief stand:

Liebe Piraten,

ich hoffe es geht euch gut. Uns geht es leider gar nicht gut. Seit der Zeit, als ihr unser Dorf überfallen und all unser Gold und unsere Juwelen gestohlen habt, geht es uns sehr schlecht. Wir leben in Großer Armut und haben kaum genug zu Essen. Bitte gebt uns unser Gold zurück, wenigstens ein bisschen davon. Bald hat meine kleine Schwester Geburtstag und ich würde ihr so gerne etwas schönes schenken.

 

Liebe Grüße aus Maui Mui,

 

eure Lulu

 

Die Piraten standen um den Kapitän herum und sahen betreten auf ihre Füße. Als sie damals die Schatztruhe aus dem Dorf gestohlen hatten, bei Nacht und Nebel, war es das erste mal gewesen, dass sie kein anderes Piratenschiff geentert hatten, um an Gold zu kommen. Aber das ihre Tat so schreckliche Folgen haben würde, damit hatten sie nicht gerechnet. Nun schämten sie sich. Doch Bootskalle rief: Reißt euch zusammen Männer! Hört auf Trübsal zu blasen und lasst uns lieber überlegen, wie wir dem kleinen Mädchen helfen können!

Die Piraten überlegten und überlegten. Endlich hatte Pepe den rettenden Einfall: Sie malten eine Schatzkarte, auf der sie die Position der Insel und die genaue Lage der Schatzgrotte verzeichneten. Die Schatzkarte steckten sie in die Flasche, zusammen mit einem Brief. Darauf stand:

Liebe Lulu, es tut uns schrecklich leid, dass wir euer Gold gestohlen haben. Wir wussten nicht, dass ihr es so dringend braucht. Natürlich geben wir es euch gerne zurück! Nur leider sitzen wir hier fest und können euch die Schatztruhe nicht selber bringen. Deswegen schicken wir euch diese Schatzkarte, damit ihr die Kiste finden könnt.

Ehrerbietigste Grüße,

 

deine Piratenbande

PS. Keine Angst vor Glatzen-Piet der ist harmlos.

PPS. Das kleine Päckchen ist für deine kleine Schwester- alles Gute zum Geburtstag!

 

Sie verschlossen die Flasche mit einem Korken und banden ein kleines Päckchen aus Palmenblättern daran fest. In dem Päckchen war ein magisches Amulett, welches der Kapitän von einem Schamanen bekommen hatte, ein kleiner Minisäbel und ein wertvoller Ring, den Bootskalle einem Piratenkönig gestohlen hatte.

Sie warfen die Flaschenpost ins Meer und taten was sie ohnehin am besten konnten. Nichts tun und warten. Es dauerte nicht lange und Angelo entdeckte von seinem Ausguck aus ein Schiff am Horizont. Es segelte direkt zur Höllenschlucht und nicht lange darauf, landete ein Boot am Piratenstrand. Die Menschen darin winkten und riefen: Ahoi Ahoi. Ein kleines Mädchen sprang aus dem Boot. Es war die kleine Lulu. Sie lief auf den Kapitän zu und sprang ihm in die Arme. „Danke ihr lieben Piraten! Vielen vielen Dank!“ „Nana mein Kind, es war ja nur selbstverständlich dass wir euch euer Gold zurück geben.“ Sagte er, doch dabei wischte er sich heimlich eine kleine Träne von der Wange. Die Dorfleute bargen die Schatzkiste und luden die Piraten ein, mit ihnen in ihr Dorf zu kommen. Mittlerweile geht es allen wieder gut. Die Menschen im Dorf haben genug zu essen und es gibt genug Arbeit, denn jetzt ist wieder genug Gold da, um sie bezahlen zu können. Die Kinder sind fröhlich und unbeschwert und die Mütter können Nachts wieder gut schlafen. Und was die Piraten betrifft. Die haben ihren Beruf gewechselt. Sie sind jetzt Postboten. Sie haben von den Dorfbewohnern ein Schiff bekommen und fahren nun von Insel zu Insel und bringen den Menschen ihre Post. Die Leute stehen dann immer schon am Ufer und freuen sich und winken den Piraten von weitem zu. So etwas hatten sie vorher noch nie erlebt und sie waren sehr glücklich darüber. Und manchmal, wenn das Piratenschiff in den Hafen einläuft und eine steife Brise aus Nordwest weht, kann man am Bug ein kleines Mädchen stehen und winken sehen.

„Aquentis Mori“ Fangspiel mit Elfen und einem Drachen

© Agnieszka Rygula agi-rygula-photography

Dies ist ein Spiel, welches ich mir einmal für den Kindergeburtstag meiner Tochter ausgedacht habe. Es war am Ende ein riesen Spaß und die Kinder wollten gar nicht mehr aufhören zu spielen. Seither ist es das Lieblingsspiel meiner Kinder.

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