Über Waldelfen

Tief im Wald, an einem verzauberten See steht eine uralte knorrige Weide. Seit hunderten von Jahren steht sie dort und lässt ihre langen, schweren Zweige hinab hängen in das kristallklare Wasser dieses magischen Sees. Und in der Weide versteckt lebt eine kleine Waldelfe namens Orlanda. Sie ist eine der letzten vom vergessenen Elfenvolk. Waldgeister, die schon immer da waren, von Anbeginn, als die Welt noch jung war, als die Flüsse noch klar, die Wälder unendlich und Wiesen, Täler und Berge weit und majestätisch waren. In dieser alten und freien Welt, voller Zauberer, Magier, Hexen, Riesen und verwunschenen Wesen lebten die Elfen in Frieden und verbreiteten Liebe und Güte. Ihr Zauber lag über jeder Blume, jedem Blatt und jedem Stein. Sie halfen den Pflanzen wachsen und ihre Elfentränen konnten Wunden heilen. Doch eines Tages kam Unheil über die Welt. Der Mensch erhob sich über alles Leben und machte die Pflanzen, Tiere und Mutter Erde zu Sklaven seiner Gier. In seinem Streben nach Macht metzelte der Mensch alles nieder und zerstörte das zarte Gleichgewicht der Kräfte der Natur. Die Elfen starben mit den Lebewesen die sie umsorgten. Sie starben an gebrochenen Herzen und Verzweiflung über die Zerstörung, denn alle Tränen reichten nicht aus, um das Leid zu heilen. Nur einige konnten sich in die wenigen noch übrigen Zauberwälder retten. Sie bannten diese letzten Regionen der alten Welt mit Magie und schützten sie fortan vor der Welt außerhalb. In der Welt der Menschen gerieten die Elfen in Vergessenheit. Die Erwachsenen verloren ihre Fähigkeit an sie zu glauben und so war niemand da, der den Kindern von ihnen erzählen konnte. Nur einige wenige, die den Glanz der alten Tage noch im Herzen spürten, erzählten Geschichten von den Elfen und schufen eine Märchenwelt, in der sie weiterleben konnten. Und solange es Kinder gibt, die an Elfen glauben, leben sie weiter, im Verborgenen, an diesen magischen Orten.

Über mich

Als ich noch klein war, wollte ich Schriftstellerin werden.

Nein. Ich WUSSTE, dass ich einmal Schriftstellerin werde.

Ich liebte es mir Geschichten auszudenken und schrieb kleine Gedichte.

Doch die Jahre vergingen und brachten manch schmerzhafte Erfahrung mit sich. Und über dem Wagnis erwachsen zu werden und der Erwartung der Gesellschaft mich irgendwo irgendwie produktiv einzugliedern, verlor ich diese Gewissheit, bis ich schließlich einfach nicht mehr daran glaubte.

Und wer nicht an seine Träume  glaubt, der glaubt nicht an sich selbst.

Und wer nicht an sich selbst glaubt, der stirbt viele kleine Tode und der empfindet alles als Kampf.

Doch in mir war etwas, das nicht sterben wollte. Ein kleiner Funken, eine Gewissheit und ein großer Trotz, mich nicht mit meinem Schicksal abzufinden.

Und wer sich nicht aufgibt, dem kommt das Leben zu Hilfe. Auch wenn man es manchmal nicht als Hilfe empfindet.

Ich musste viele Lektionen lernen und nicht immer sanft. Doch je mehr ich meiner Intuition vertraute, desto schöner und auch leichter wurde mein Leben.

Bis zum Schreiben war es dann doch noch ein weiter Weg, denn das Innerste nach außen zu kehren ist nicht leicht.

Wenn ich schreibe lege ich meine Seele hinein und das macht mich verletzbar.

Doch nichts war je so schmerzhaft wie NICHT zu schreiben, NICHT meine Bestimmung zu leben.

Nichts wird mich je wieder davon abbringen.

Und jetzt lade ich euch herzlich dazu ein mit mir zu träumen und in sagenumwobene Welten abzutauchen.

Und wenn meine Geschichten eine Botschaft enthalten, dann die, dass ihr immer an euch glauben müsst.

 

Das Lied der Mondfrau

© Tithi Luadthong

Das Lied der Mondfrau ist traurig und schön. In eisigen Nächten sitzt sie am Ufer des verzauberten Sees und spielt auf einer silbernen Harfe. Tautropfen glänzen wie Perlen in ihren Haaren und ihre blasse Haut schimmert im Licht des Vollmondes. Ihr weißes

Kleid ist durchwirkt von Silberfäden. Ihre Schönheit ist so atemberaubend, dass sie sich keinem Sterblichen je zeigte, denn jeder der sie erblickte würde vor ihrer Anmut zergehen und übergehen in eine Schattenwelt, aus der er nicht mehr entrinnen könnte.

Doch manch einer, der sich mondfühlig nennt, spürt eine unsägliche Sehnsucht in sich. Ein Solcher sitzt in Vollmondnächten andächtig da, wartend, hoffend und findet keinen Schlaf. Und sein Herz verzehrt sich nach etwas, dass sein Leib nicht kennt, sein Auge nie sah und seine Hände nie ertasteten.

Für all jene ist ihr Lied bestimmt. Sie salbt ihre wunden Seelen mit dem fernen Klang ihrer glasklaren Stimme. Ihr Gesang erfüllt die kalte Luft und wallt in Nebeln über das schlafende Land. Mondstaub rieselt hernieder und legt sich auf die schlafenden Gemüter, so dass ihr Traum wirklicher wird und manche Botschaft so Manchen erreicht. Doch jenen, die wach sind, brennt der Staub in den Augen und bringt die Tränen hervor, die schon so lange darauf warten, geweint zu werden.

Die dunkelsten Stunden der Nacht gebären ein quälendes Verlangen. Die Wachenden überkommt eine unbequeme Ahnung, ein heimliches Wissen, um die Vergeudung all der Stunden, die sie des Tags wie Schatten durch die Welt streifen, ohne je lebendig zu sein. Keine der wichtigen Fragen je beantwortet zu haben. Keine der großen Taten je vollbracht zu haben. Und manche Seele fällt darüber in Verzweiflung und schüttelt sich am Boden in Weinkrämpfen und möchte zerspringen oder glühend vergehen, vor der Furcht, ein Leben in Bedeutungslosigkeit zu vergeuden.

Und wen die erdrückende Zahl solch qualvoller Stunden noch nicht zu brechen vermochte, der bäumt sich auf in einem letzten verzweifelten Flehen und schreit zum Himmel: „Ich weiß, dass dies nicht alles ist! Ich weiß um die Schönheit, die dessen harrt, offenbart zu werden! Hört mich ihr Führer, erhört mein Flehen und weist mir den Weg! Lasst mich hier nicht zergehen!“

Und ihre Bitten steigen empor zu den Sternen und verhallen im endlosen Universum. Und ihr Schwingen erzeugt eine ungeheure Kraft, die den Lauf der Dinge zu ändern vermag. Und so erschaffen sie eine neue Zeit, eine neue Welt, Vollmondnacht für Vollmondnacht, über viele Jahrhunderte hinweg.

Und alle Zeit sitzen die Nachtgeister in den wipfeln der Bäume und flüstern sich gegenseitig zu: Die Mondfrau sitzt am Zaubersee und singt ihr trauriges Lied.