Der Schneemann mit der roten Mütze

Es war einmal ein kleines Haus, mit einem kleinen Garten, der um die Weihnachtszeit mit weißem Schnee bedeckt war. In dem Garten stand ein Baum, an dem im Sommer eine Schaukel hing, denn es wohnten Kinder in dem kleinen Häuschen, die viel spielten und tobten. Jetzt im Winter hing die Schaukel nicht am Baum aber dafür ein Vogelhäuschen, in dem sich die Kohlmeisen und die Amseln um das Futter balgten.
Und neben dem Baum stand eine Gestalt.
Es war ein weißes Männlein, mit einem schräg verzogenen Mund aus schwarzen Steinen, einer Karottennase und einer roten Pudelmütze.
Die Pudelmütze hatte die Großmutter für die Kinder gestrickt.
Als die Kinder ihrer Mutter stolz ihren fertigen Schneemann gezeigt hatten, hatte diese zunächst geschimpft, weil die Pudelmütze eigentlich für den Kopf eines Kindes und nicht für den eines Schneemanns gedacht war und die Familie hatte auch nicht viel Geld, um Mützen für die vielen Kinder und nun auch noch für einen Schneemann zu kaufen.
Aber der kleine Kerl sah so traurig und entzückend zugleich aus und die Kinder schauten so enttäuscht, dass der Schneemann seine Mütze schließlich behalten durfte. Die Großmutter könnte ja eine neue Mütze stricken, da war sie wenigstens gut beschäftigt.
Doch die Großmutter strickte keine Mütze mehr, denn die Großmutter starb, einen Tag, nachdem der Schneemann geboren wurde- Von kleinen Kinderhänden gebaut. Und die kleinen Hände waren auch das letzte, was die Großmutter auf ihrer Haut spürte, während sie hinüber glitt, in die andere Welt.
Nun ist es ja nicht unbedingt ungewöhnlich, dass ein alter Mensch stirbt, auch wenn man sich wirklich einen netteren Zeitpunkt dafür aussuchen kann, als den Tag vor Weihnachten. Aber in diesem Fall war es ganz besonders traurig, denn die Familie hatte nicht viel Geld und die Eltern mussten, wie jedes Jahr, beide an Heilig Abend arbeiten.
Und wie jedes Jahr wollte die Großmutter mit ihren Enkeln den Weihnachtsabend verbringen, Lieder singen, Geschichten von früheren Weihnachten erzählen, als die Großmutter selbst noch ein Kind war, und viele selbstgebackene Kekse essen.
Doch dieses Jahr würde die Großmutter wohl Kekse mit dem Christkind höchst persönlich essen, darin zumindest waren die Kinder sich einig. Denn ein so lieber und guter Mensch, wie die Großmutter es war, musste im Himmel mit allen Ehren empfangen werden, daran bestand kein Zweifel. Aber es war ein schwacher Trost.
Denn von dort oben konnte sie unmöglich auf so viele Kinder aufpassen.
Und so stand fest, dass die Kinder den Weihnachtsabend dieses Jahr nicht Zuhause verbringen würden, sondern bei der Tante Elisabeth, die immer furchtbar ernst war und es gar nicht mochte, wenn Kinder laut durchs Haus tobten. Auch ihr Mann Otto mochte das nicht. Vielleicht hatten sie deswegen keine Kinder, sondern nur einen sprechenden Papagei und einen fetten Kater, der sich alle Nase auf den Teppich erbrach.
Ach was würde es für ein trauriges Weihnachtsfest werden. Sicher waren die Tante und der Onkel keine schlechten Menschen und sie hatten keinen Moment gezögert, die Kinder für die Feiertage bei sich aufzunehmen, aber gerne taten sie es sicher nicht und sicher würden sie auch nicht singen tanzen und Geschichten erzählen.
Am Tag vor Heilig Abend brachten die Eltern also eine ganze Schaar trauriger Kinder ins Bett und es brach Ihnen beinahe das Herz. Sonst war dieser Tag immer so lustig und voller Leben gewesen, voller knisternder Vorfreude und weihnachtlichen Düften.
Dieses Jahr war alles traurig und grau. Daran änderten auch die vielen Kerzen nichts, die die Mutter wie jedes Jahr aufgestellt hatte.
Dieses Jahr stellte sie noch eine besonders schöne Kerze ins Fenster, für die Großmutter.
„Falls Sie uns noch einmal besuchen möchte, dann findet sie wenigstens den Weg,“ Hatte sie gesagt.
Mitten in der Nacht, wachte eines der Mädchen auf. Die Traurigkeit hatte sie bis in ihre Träume verfolgt. Sie saß im Bett und hörte den gleichmäßigen Atem ihrer Geschwister. Niemand sonst war wach. Leise schlich sie aus der Kammer. Im Flur zog sie ihren dicken Mantel über das weiße Nachthemd und schlüpfte in die warmen Stiefel. Leise drehte sie den Schlüssel der Haustür im Schloß herum und trat hinaus in die dunkle Nacht. Es hatte noch einmal geschneit. Der Schnee knirschte unter ihren Füßen, als sie durch den Garten schritt. Über ihr funkelten die Sterne, es war eine klirrend kalte, klare Nacht.
Vor dem Schneemann blieb sie stehen. Sie strich liebevoll den frischen Schnee von der Pudelmütze und der Karottennase. Dann setzte sie sich neben ihn in den Schnee und sah in den Sternen übersäten Himmel.
„Liebe Großmutter, “ begann sie schließlich, „ich weiß du kannst mich hören. Und ich weiß auch, dass es dir gut geht, da wo du jetzt bist. Aber wir vermissen dich so sehr. Und morgen ist Weihnachten. Ich möchte in diesem Jahr keine Geschenke haben, für die Mama und Papa so viel arbeiten müssen. Ich wünsche mir, dass wir Weihnachten mit einem Menschen verbringen, der uns lieb hat und dass es so schön wird, wie all die Jahre zuvor mit dir.“ Sie blieb noch eine Weile neben dem Schneemann sitzen, dann schlich sie zurück ins Haus.
Wenn nun einer in diesem Moment in diesem Garten gestanden hätte, er hätte etwas zu Gesicht bekommen, was sicher noch niemand jemals zuvor gesehen hatte. Der Schneemann weinte eine kleine Träne, die im Sternen Licht glitzerte und lautlos zu Boden fiel.
Am nächsten Morgen standen alle früh auf, wie jedes Jahr, um wenigstens die Morgenstunden besinnlich beisammen sein zu können. Die Eltern hatten das Haus mit Tannenzweigen, roten kugeln, Engeln und vielen Kerzen geschmückt. Es roch nach Anis und Zimt und Plätzchen und heißem Apfel. Doch so sehr sich alle bemühten froh und unbekümmert zu tun, es wollte einfach keine rechte Weihnachtsstimmung aufkommen.
Der Vater las den Kindern wie in jedem Jahr die Weihnachtsgeschichte vor und gerade als er an der Stelle war, wo Adam und Eva von Tür zu Tür wanderten aber nirgendwo willkommen sind, denkt euch, da ging die Tür auf und wer kam herein? Onkel Joe aus Amerika. Onkel Joe, der eigentlich Johannes hieß und der vor vielen Jahren ausgewandert war, um ein neues Leben anzufangen. Seit fünf Jahren war er nicht mehr bei seiner Familie gewesen und man hatte nur wenig von ihm gehört in dieser Zeit. Doch da stand er nun, der Onkel, der immer so lustig war und immer die besten Verstecke die lustigsten Witze und die wildesten Flüche wusste. Der Onkel bei dem man auf dem Rücken reiten durfte und der die besten Geschichten kannte, von Räubern und Halunken und armen Teufeln, die ihr Glück in der Welt suchten. Voll bepackt mit Geschenken und mit glühend roten Wangen, über das ganze Gesicht strahlend.
Die Kinder umringten ihn und jubelten und riefen alle durcheinander. Die Mutter weinte, weil sie ihren Bruder so lange nicht gesehen hatte und er nun wohlbehalten und gesund vor ihr stand. Alle küssten und herzten sich und dann setzten sie sich vor dem Ofen zusammen und tranken Punsch und lauschten gespannt den Erzählung von Onkel Joe. Er hätte es in Amerika zu was gebracht, fühle sich dort wie Zuhause. Doch eines nachts hatte er eine Stimme gehört die ihm sagte, er müsse nun nach Hause gehen. Ohne zu Zögern hatte er sich eine Fahrkarte gekauft und hatte die lange Reise heimwärts angetreten. Und er sei ja wohl zur rechten Zeit gekommen. Natürlich sei es ganz ausgeschlossen, dass die Kinder zur grimmigen Tante Elisabeth gingen. Nein sie würden Weihnachten Zuhause verbringen mit Onkel Joe und sie würden den Spaß ihres Lebens haben.
Und so wurde es doch noch ein gesegneter Weihnachtstag. Die Eltern gingen zur Arbeit und die Kinder hatten den größten Spaß, tanzten die wildesten Tänze, lernten ganz neue Lieder und durften überhaupt ganz viele Sachen, die die Eltern nie erlaubt hätten, noch nicht einmal die Großmutter.
Als es dunkel wurde zündeten sie Laternen an und wanderten durch die weiße Welt zur Weihnachtsmesse.
Als Onkel Joe am Schneemann vorbei kam legte er ihm einen Arm um die Schulter und sagte: “ Hello old friend. Nett dass du hier für mich die Stellung gehalten hast.“
Nach der Messe aßen sie zusammen und dann endlich durften die Kinder die vielen bunten Päckchen auspacken, die der Onkel mitgebracht hatte, mit all den wunderlichen Dingen aus Amerika.
Spät am Abend saßen sie vor dem Feuer, tranken heiße Schokolade und der Onkel erzählte die spannendsten Geschichten vom fernen Kontinent, von Abenteuern, Freundschaften und atemberaubenden Landschaften.
Als die Eltern in der Nacht nach Hause kamen, fanden sie ein wildes Durcheinander vor. Die Kinder lagen in ihren Betten, erschöpft und glücklich, und schliefen seelig. Auch Onkel Joe lag schon auf der Küchenbank und schnarchte laut. Jedes Kind bekam noch einen Kuss. Und dann hielten sich die Eltern an den Händen und sahen sich glücklich an. „Frohe Weihnachten!“ Sagte der Vater.
Und draußen vor der Tür stand ein kleiner Schneemann, mit einer roten Pudelmütze, und lächelte ein schräges Schneemann Lächeln.

Ein Weihnachtsmärchen im Wichtelwald

Hoch oben im Norden gibt es einen Wald, der beinahe so alt ist, wie die Welt selbst. Dort stehen riesige Bäume, die viele hundert Jahre alt sind, hohe Berge und tiefe Täler, reißende Flüsse, die sich tief ins Gestein graben und hier und dort fällt ein Wasserfall donnernd in die Tiefe. Im Sommer gibt es viel Leben in diesem Wald. Auf dem moosbewachsenen Boden wachsen Pilze, Beeren und bunte Blumen und allerlei Tiere schleichen durch das Unterholz. Eichhörnchen schwingen sich von Baum zu Baum, Vögel singen, Hirsche und Elche schreiten majestätisch umher und Füchse und Hasen ziehen ihre Jungen auf, in ihren gemütlichen Erdhöhlen.

Doch jetzt im Winter liegt alles unter einer dicken Schneedecke. Keine Menschenspuren hat man hier je gesehen. Dafür aber solche, die ihnen sehr ähneln, nur sind sie sehr viel kleiner. Denn unter knorrigen alten Wurzeln führen hinter schweren Holztüren kleine Gänge in unterirdische Höhlen, in denen die Wichtel wohnen. Man erkennt ihre Behausungen daran, dass kleine Rauchwolken aus den Feuerlöchern aufsteigen, die sie tief in die Erde gegraben haben. Vielleicht wäre das recht leichtsinnig, wenn es hier Menschen gäbe. Denn sie verstehen die Sprache der Wichtel nicht, und sie müssen alles ausgraben und untersuchen, was für sie fremd und geheimnisvoll ist. Ihnen fehlen der Respekt und die Achtung vor dem Leben anderer Geschöpfe. Doch die Wichtel, so sehr sie den Menschen auch ähneln, leben in Frieden und im Einklang mit der Natur und allen Wesen, die sie hervorbringt. Sie lieben und verehren auch die Menschen, wenn sie sie auch ängstlich und ehrfürchtig meiden. Da es aber hier im Wald keine Menschen gibt, gibt es auch niemanden, vor dem sie sich verstecken müssten. Einem Tier würden die Wichtel niemals auch nur ein Haar krümmen. Im Gegenteil, sie helfen ihnen, wo sie nur können. Darum haben sie von ihnen nichts zu befürchten.

Wichtel sind lustige, gutmütige Gestalten, denen man ihre Geschicklichkeit und Flinkheit nicht unbedingt ansieht. Sie haben runde Gesichter und runde Bäuche, rote Backen und ihr Lachen reicht über das ganze Gesicht. Sie tragen rote Mützen, wie die Menschen es sich in ihren Geschichten erzählen und erdfarbene Gewänder und Schürzen. Sie können sehr alt werden und tun es meistens auch, denn sie sind zu sich selbst so gut, wie zu allen anderen. Sie schlafen immer zu den gleichen Zeiten und stehen früh auf, um den Tag im Morgengrauen zu begrüßen. Sie wandern meilenweit durch die Wälder, klettern auf Felsen und Bäume und schwimmen in den Seen und Flüssen, sie lachen viel, erzählen Geschichten und singen Lieder, sie essen gerne, aber niemals zu viel und sie essen die Dinge meist so, wie die Natur sie ihnen gibt. Es sei denn, sie machen sie für den Winter haltbar.

Im Herbst sind sie immer sehr geschäftig, denn viel gibt es für den langen Winter vorzubereiten. Sie holen Feuerholz ein, mahlen Mehl aus Wildkorn, ernten Beeren und Früchte, machen Gemüse ein, sammeln Honig, den die Bienen ihnen freundlich schenken, kochen Marmeladen und Sirup, ziehen Kerzen und binden Garben aus Heu und Korn. Die Höhlen werden ein letztes Mal kräftig ausgefegt, die Schlafecken mit frischem Heu ausgelegt, die Wäsche wird noch einmal gründlichgewaschen und die Kammern mit frischem Tannengrün geschmückt.

Schließlich stellen die Familien ihre Geschäftigkeit ein und verkriechen sich zur Winterruhe in ihre Höhlen. Es wohnen immer bis zu vier Familien in einer Höhle, die meist näher miteinander verwandt sind. Zieht einmal eine Familie in die Ferne, wird sie bereitwillig und ganz selbstverständlich von jeder fremden Familie aufgenommen. Die Töchter bleiben in der Regel bei ihren Müttern, und die Männer verlassen ihre Familien und ziehen zu ihren Frauen. So ist es seit jeher Brauch. Die Wichtel sind freundliche und offenherzige Geschöpfe, doch sie hängen an ihren Riten und Bräuchen. Zum Glück sind sie auch neugierig und jederzeit bereit, einen neuen Brauch auszuprobieren und gegebenenfalls zu übernehmen. Alles was sie tun hat einen geradezu zeremoniellen Charakter. Das fängt schon beim morgendlichen Waldblütentee an und endet am Abend mit Gebeten und Dank, an Mutter Natur.

Im Winter schlafen sie recht viel und stehen erst kurz vorm Morgengrauen auf. Dann schütteln sie ihre Betten auf und versammeln sich vor dem Feuer zu einem Moment des gemeinsamen Schweigens. Sie essen nur zweimal am Tag. Am späten Vormittag und am späten Nachmittag. Nur die Kinder bekommen am Morgen eine dicke Nussmilch mit Honig, während die Erwachsenen ihren Tee schlürfen. Die wenigen hellen Stunden des Tages verbringen die Wichtel im Freien. Sie wandern durch den weißen Wald und sehen nach den Tieren. Sie verteilen Heu und Korn an halb verhungerte Tiere, versorgen Verletzungen und machen den Tieren Mut und Hoffnung. Die Winter hier oben sind lang und hart und nur die gesündesten können sie überstehen. Und manches Mal besteht die Aufgabe der Wichtel darin, ein Tier beim Sterben zu begleiten.

Sobald es dunkel wird, verschwinden die Wichtel wieder in ihren gemütlichen Höhlen, zünden Kerzen an und essen gemeinsam. Danach singen und lachen sie, erzählen Geschichten und verrichten ihre Handarbeiten. Es wirde genäht und gestrickt, gehäkelt und gestickt, geschnitzt und gebunden. Körbe werden geflochten, Stiefel repariert, Krüge und Schüsseln bemalt und verziert und die Kinder malen und basteln mit den Dingen, die sie den Sommer über in den Wäldern gesammelt haben. Oder sie spielen mit Strohpuppen und geschnitzten Spielzeugen, die sie im nächsten Sommer der Natur zurück geben werden. Denn die Wichtel horten niemals etwas. Sie nehmen sich aus der Natur was sie brauchen und ebenso selbstverständlich, geben sie es auch wieder zurück, wenn sie es nicht mehr brauchen.

In den Höhlen ist es schrecklich gemütlich, auch im Sommer, aber im Winter ganz besonders. Die Bänke an den Wänden werden mit Tannenzweigen belegt, an den Wänden hängen Girlanden aus Zweigen, Eicheln, roten Äpfeln und Tannenzweigen und bunt bemalte Glaskugeln. Überall leuchten Kerzen. Im großen Raum befindet sich der große Esstisch, vor der Feuerstelle stehen kleine Hocker und liegen viele heugefüllte Kissen in einem Halbkreis. Dort sitzen die Wichtel stets zusammen, am Morgen und am Abend. Von dem Hauptraum gehen drei bis vier etwas kleinere Räume und eine große, etwas tiefer gelegene Kammer ab. Die kleinen Räume sind mit Stroh und Heu ausgelegt und darauf liegen viele Decken und Kissen. Hier schlafen die Familien zusammen. Die Großmütter und die Großväter, die Mütter und die Väter, die Vettern und die Basen, die Onkel und die Tanten und viele kleinere und größere Kinder. Alle kuscheln sich dicht zusammen und wärmen sich gegenseitig. In der großen Kammer lagern die Vorräte. Dort gibt es lange Leinen mit getrockneten Pilzen, Beeren, Apfelringen und Knäckebroten, Säcke mit Wildkornmehl und Nüssen, große Gläser mit Honig, Sirup und Marmelade, Fässer mit sauer eingelegtem Kraut und Gurken, eingemachtem Obst und Gemüse und getrocknetem Waldblütentee, große Sandkisten mit Möhren, Wurzeln und Kartoffeln, Kisten mit wilden Äpfeln und Birnen und außerdem bunte Dosen randvoll mit Keksen und Plätzchen. Auch die Heu- und Korngarben für die Tiere liegen hier.

Die Wichtel feiern im Winter viele Feste. Ein Mondes, die Wintersonnenwende, ein Lichterfest, ein Fest des Neujahrswindes, ein Fest der Elfen, das große Fest der Waldtiere, das Fest der schlafenden Bäume und das Frostfest und so weiter und so weiter. Und sie feiern auch: Weihnachten.

Die Wichtel haben nichts, was man als Religion bezeichnen könnte, doch sie achten alles was existiert, auf der Erde und im Himmel. Und als ein Bote, der die Menschen besucht hatte, von einem Fest der Liebe erzählte, da nahmen sie diesen Brauch begeistert an. Sie kennen nur wenige Geschichten von dem Mann, den die Menschen Jesus nannten, doch nach allem was sie von ihm gehört hatten, musste er ein guter Mensch gewesen sein, der die unter den Menschen seltenen Gaben der Nächstenliebe, der Heilung und der Prophezeiung hatte. Unter den Wichteln war all dies nichts Ungewöhnliches und es fiel ihnen nicht schwer, all diese Dinge zu glauben. Doch sie wissen auch um die Zwiegespaltenheit der menschlichen Natur und so erschien ihnen das Leben eines solchen Mannes, als eine durchaus des Feierns werte Angelegenheit. Sie beschenken sich auch gegenseitig, wie es die Menschen tun, wenn auch auf andere Weise, denn bei den Wichteln gibt es keinen persönlichen Besitz. Alles gehört allen zusammen und jeder benutzt das, was er gerade braucht. Benötigen einmal zwei Wichtel eine Sache zur gleichen Zeit, so wird man sich schnell darüber einig, wer sie zuerst benutzen könne und der zweite wartet ebenso geduldig, wie der erste die Sache bereitwillig übergibt, wenn er sie nicht mehr braucht. Selbst die Kinder streiten sich nie. Ihre größte Freude ist es, ein Spielzeug einem jüngeren Kind zu überlassen und der einzige Wettbewerb, den sie kennen, wenn man es so nennen mag, ist es, anderen eine möglichst große Freude zu machen. Und so handhaben sie es auch am Weihnachtsabend. Ein jeder überlegt sich eine ganz besondere Sache, mit der er alle anderen Erfreuen kann. Jeder setzt dazu seine eigene ganz besondere Gabe ein. Der eine erfindet ein neues Lied oder eine Geschichte, der nächste bestickt eine hübsche Tischdecke, der dritte denkt sich ein lustiges Spiel aus und wieder ein anderer strickt lauter bunte Strümpfe oder baut ein Instrument. So wird an diesem besonderen Tag ganz besonders viel Freude geschenkt und geteilt und das Weihnachtsfest ist den Wichteln sehr lieb geworden.

Und heute möchte ich euch von einem ganz besonderen Weihnachtsfest erzählen. Sie spielte sich im Brombeerheckenwald ab, bei der Familie Engelwurz. Sie bestand aus der Großmutter Friwa, dem Großvater Faldor und ihren vier Töchtern Ela, Farla, Golwe und Imra mit ihren Männern Firo, Esal, Geiwa und Bain und vielen vielen Kindern.

Eines Morgens, nach der Teezeremonie und dem Morgengebet waren Großvater Faldor, sein Schweigersohn Bain und die kleine Enkelin Miranor aufgebrochen, um im Wald nach den Tieren zu sehen. Es war ein wunderschöner, klarer Wintertag. Der Schnee lag wie Zuckerguss auf den Bäumen und Felsen, Eiszapfen hingen von den Zweigen und glitzerten in der Morgensonne, das Wasser eines kleinen Bächleins plätscherte leise klingend zwischen filigranen Eisformationen dahin. Unter den Stiefeln der Wichtel knirschte der Schnee gedämpft in der Stille des Morgens. Großvater, Schwiegersohn und Enkelin wanderten schweigend und genossen die tiefe Stille des schlafenden Winters. Plötzlich hörten sie aus der Ferne das perlende Zwitschern eines Vogels. Sie erkannten sofort, dass es ein Rotkehlchen sein musste, doch das Zwitschern klang nicht leicht und unbekümmert, sondern eher flehentlich und traurig. Sie gingen in die Richtung aus der das Zwitschern kam und fanden bald das Rotkehlchen, unter einer großen Tanne sitzen. Den einen Flügel hatte es merkwürdig abgespreizt und jetzt klang sein Gesang noch kläglicher und schmerzvoller. „Guten Tag mein Freund,“ sagte der Großvater, „warum weinst du so? Was ist dir geschehen?“ Und er begann sogleich, nach dem verrenkten Flügel zu sehen. Das Rotkehlchen fiepte auf, doch ließ es den alten Wichtel gewähren, denn es kannte ihn und seine Familie. Es begann zu erzählen: „Guten Tag ihr Wichtel. Ich flog gestern hier durch die Gegend, als ein starker Wind aufkam. Eine Windböe erfasste mich und schleuderte mich gegen einen Baum. Mein Flügel wurde dabei verletzt und ich stürzte zu Boden. Nun kann ich nicht mehr fliegen. Die ganze Nacht verbrachte ich hier in Kälte und Dunkelheit, voller Angst, ein Fuchs könnte mich finden.“ „Du hast Glück gehabt,“ sagte Bain, „die Fuchsfamilie jagt zur Zeit in einem anderen Teil des Waldes und der alte Fuchs, der Zuhause blieb um den Bau zu bewachen, ist gutmütig und taugt nicht mehr zur Jagd. Warum bist du nicht zu uns gekommen? Du weißt doch, wo unsere Höhle liegt.“ „Bei dem Sturz habe ich die Orientierung verloren, außerdem habe ich mich vor Angst nicht von der Stelle gewagt. Ich traute mich kaum zu atmen… AUA!“ schrie das Rotkehlchen, dem der Großvater gerade den Flügel einzurenken versuchte. „Sei unbesorgt,“ sagte dieser, „meine Frau bekommt das wieder hin. Der Flügel ist nicht gebrochen, aber du wirst eine Weile nicht fliegen können. Komm mit zu uns, dort kannst du bleiben, bis es dir besser geht.“ „Oh ja!“ rief Miranor „Wir haben es warm, es ist mehr als genug zu Essen da und vor dem Fuchs bist du dort auch sicher. Meine Geschwister werden sich so freuen!“ Erleichtert und dankbar sah das Rotkehlchen die Wichtel an und hüpfte hinter ihnen her, durch den Schnee. Als sie vor der Höhle ankamen, spielten dort viele der kleineren Kinder. Imra und Golwe schlugen Decken und Teppiche an den Stämmen der jungen Bäume aus. Als sie die Verwandten mit dem Rotkehlchen sahen, liefen die Kinder jubelnd auf sie zu: „Hallo Großvater, hallo Rotkehlchen! Kommst du uns besuchen? Hast du Hunger? Was ist mit deinem Flügel?“ Riefen sie alle durcheinander. „Seid ruhig Kinder!“ rief Imra „Lasst den Großvater erzählen und bedrängt unseren Gast nicht so.“ Da erzählte der Großvater die traurige Geschichte des armen Rotkehlchens. Doch die Kinder freuten sich, weil das Rotkehlchen bei ihnen in der Höhle wohnen sollte. Und es dauerte auch nicht lange, da fühlte es sich wie zu Hause in der gemütlichen Wichtelhöhle. Die Großmutter behandelte den kranken Flügel und er wurde von Tag zu Tag besser und beweglicher. Am Morgen trank das Rotkehlchen den würzigen Tee und sprach den Dank für den neuen Tag, am Tage spielte es mit den kleinsten Kindern, die nicht mit in den Wald gingen und bewachte das Feuer, am Abend sang es seine schönsten Lieder und erzählte die abenteuerlichen Geschichten, die es von den Zugvögeln kannte und in der Nacht, kuschelte es sich mit den Wichteln ins Heu und schlief selig. Die Zeit verging wie im Fluge und schließlich, kam der Weihnachtstag.

Bis spät in die Nacht hinein hatten die Wichtel noch an ihren Geschenken gebastelt und gefeilt. Dennoch standen sie schon in der Frühe auf, als alles noch dunkel war und zündeten die Kerzen an. Sie setzten sich vor dem Feuer zusammen und tranken dicke Nussmilch mit Honig und Gewürzen, Waldblütentee und die Kinder bekamen sogar einige Plätzchen mit Marmelade. Nach dem üblichen Schweigen ergriff der Großvater feierlich das Wort. „Liebe Familie, vor vielen Jahren wurde ein Mensch geboren, der unter seinen Brüdern und Schwestern die Botschaft von Liebe und Güte, von Nachsicht und Vergebung, von Gleichheit und Zusammenhalt verbreitete. Deswegen feiern die Menschen noch heute den Tag seiner Geburt als Fest der Liebe. Und auch wir wollen diesem Weisen Mann die Ehre erweisen, heute seine Geburt und sein Wirken zu würdigen, indem wir dieses besondere Fest feiern. Mit Licht und Freude, Gemeinsamkeit und Besinnung auf das Wesentliche. Den Wert eines jeden Lebewesen und seine Freiheit, die Familie und den Zusammenhalt, Freundschaft und Nächstenliebe. Diese Dinge feiern wir heute mit Tanz und Gesang und unseren besonderen Geschenken.“ Die anderen Wichtel klatschen Beifall und jubelten. Nach dieser Ansprache, zogen sie ihre dicken Mäntel an und wanderten in den weißen Wald hinaus, voll bepackt mit Heu und wildem Hafer, Eicheln, Nüssen und Äpfeln. Sie besuchten die Tiere und brachten ihnen ihre Gaben. Denn dieses Fest sollte für alle sein und alle sollten sich freuen, an diesem besonderen Tag. Die Kinder tobten ausgelassen durch den Schnee und das Rotkehlchen war so fröhlich und unbeschwert, dass es ein ums andere Mal seine Vorsicht vergaß und ein Stück durch die Luft flatterte. Der Flügel war schon fast wieder gesund.

Als es zu dämmern begann, machte die Familie sich auf den Heimweg. Einige Tiere folgten ihnen, um sich die schön geschmückte junge Tanne, vor dem Eingang der Höhle anzusehen. Die Wichtel hatten sie mit Strohsternen, Äpfeln und Nüssen behangen und rote Kerzen befestigt, die nun angezündet wurden. In der Höhle gab es nun das Weihnachtsessen. Von der Decke hingen unzählige Papiersterne und Glaskugeln und überall leuchteten Kerzen. Der Tisch war feierlich gedeckt, mit den schönsten Schüsseln, Bechern und Krügen und mit Tannengrün, Stechapfel und Hegebutten geschmückt. In den Krügen und Schüsseln dufteten heißer Apfel, Obststrudel, Pfannkuchen, Sirupbrot und Honigplätzchen, Pilzragout, Gemüseeintopf und deftige Pasteten. Außerdem standen viele Körbe mit Nüssen, Äpfeln, Birnen und getrockneten Früchten bereit.

Die Wichtel aßen und lachten und scherzten und die Kinder tobten übermütig um die Festtafel herum. Schließlich waren alle satt und versammelten sich vor dem Feuer. Die Stimmung war so ausgelassen und heiter, wie sie nur sein konnte. Dem Rotkehlchen wurde ganz warm um das kleine Herz, als die Wichtel sich gegenseitig ihre Geschenke überreichten oder darboten. Die Freude war groß, ein jeder übertraf sich selbst. Die Wichtel freuten sich weniger über die Geschenke selbst, als vielmehr über die Besonderheit eines jeden Talentes, das durch die Geschenke zum Ausdruck kam. Das Ganze dauerte bis spät in die Nacht hinein und doch wurde keiner Müde.

Als alle Geschenke überreicht waren, wurde es langsam still. Ein behaglicher Friede breitete sich aus und die Gesichter leuchteten in diesem besonderen Glanz. Da ergriff das Rotkehlchen das Wort. „Meine lieben Freunde,“ sagte es, „ihr feiert heute das Fest der Liebe und durch euch weiß ich, was das überhaupt ist: Liebe. Ihr habt mich bei euch aufgenommen, ohne zu zögern, ohne zu fragen, wer ich bin oder woher ich komme, was ich besitze oder was ich kann. Ihr habt euer Essen mit mir geteilt und euer Haus, habt mir Unterschlupf gewährt, mich versorgt und mich in eure Familie aufgenommen. Ich möchte mich gerne bei euch bedanken und euch sagen, dass ich die Zeit bei euch niemals vergessen werde. Sobald ich wieder fliegen kann, werde ich in die Welt hinausfliegen und anderen davon erzählen, was es heißt, zu lieben und zu geben, ohne etwas zu verlangen. Und nun habe auch ich ein Geschenk für euch. Kommt mit und folgt mir.“ Die Wichtel hatten den Worten des Rotkehlchens andächtig gelauscht und der eine oder andere hatte gerührt gelächelt oder seinem Nachbarn liebevoll die Hand gedrückt. Nun sahen sie sich an, erhoben sich schweigend und schlüpften erneut in ihre Wintermäntel. Sie zündeten Fackeln und Laternen an und folgten dem Rotkehlchen in die eisige Winternacht hinaus.

Der Himmel war klar und der Schnee glitzerte im Licht der Sterne. Die Tannen hoben sich dunkel ab gegen den blass leuchtenden Horizont und in der Ferne schrie ein Käuzchen. Die Wangen der Wichtel färbten sich tiefrot und ihr Atem verursachte kleine Wölkchen. Lange hüpfte das Rotkehlchen vor dem Zug her. Die Grenzen des Brombeerheckenwaldes hatten sie längst passiert. Schließlich gelangten sie zum Eingang einer dunklen Höhle. Das Rotkehlchen blieb kurz stehen, drehte sich um und sagte: “Wir sind da. Diesen Ort habe ich vor einigen Wintern entdeckt. Seitdem komme ich Jahr für Jahr hier her und erfreue mich an der Schönheit und dem Zauber, dieses besonderen Ortes. Es hilft mir über manche Entbehrung eines langen Winters hinweg.“ Und dann hüpfte er voran, in die Dunkelheit der Höhle. Die Wichtel schauten sich zunächst verwundert an. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass es in dieser Höhle etwas Besonderes geben sollte, geschweige denn, dass sie überhaupt etwas sehen würden. Aber sie folgten dem Rotkehlchen dennoch vertrauensvoll. Lange wanderten sie durch einen Gang aus kaltem Stein. Noch war nichts zu sehen, außer unzähligen Tropfsteinen, die von der Decke hingen. Doch bald bemerkten sie, dass die Höhlenwände im Schein ihrer Fackeln anfingen zu glitzern und zu funkeln, als wären sie von Gold oder Silber durchzogen. Und dann betraten sie plötzlich einen großen Raum, mitten im Berg. Die langen Tropfsteine waren von Eis behangen und bildeten die wunderlichsten Formationen, am Boden wuchsen große Skulpturen aus leuchtendem Kristall und in der Mitte des Raumes war ein stiller See, der grünlich schimmerte. Durch ein Loch, hoch oben in der Decke, schien der Mond herein und sein Licht brach sich im Eis, in den Kristallen und dem Silber an den Wänden. Die Sterne spiegelten sich im Wasser des Sees. Es war ein Funkeln, ein Leuchten und ein Glitzern, wie keiner der Wichtel, nicht einmal der Älteste von ihnen, es jemals gesehen hatte. Atemlos und andächtig standen sie da, mit offenen Mündern und betrachteten diese Pracht und dieses Lichtermeer. Es war, wie in einem verzauberten Land, wie auf einem Stern, in den Tiefen des Weltalls. Es schien kein Oben und kein Unten zu geben. Alles war eins und alles verschmolz miteinander. Das gebrochene Licht malte die Schönsten Farben und tanzte auf den staunenden Gesichtern. Dies war wahrhaftig das Schönste, was die Wichtel jemals gesehen hatten und einige begannen zu weinen, im Angesicht solch vollkommener Schönheit. Die einzigartige Magie des Universums war greifbar an diesem Ort. Es war wie ein kleiner Blick in die Unendlichkeit des Lebens.

Viele Stunden verbrachten die Wichtel und das Rotkehlchen schweigend und staunend an diesem Ort. Als sie sich schließlich auf den Heimweg machten, dämmerte es bereits. Im grauen Licht der Morgendämmerung wanderten sie ergriffen durch die weiße Welt. Schließlich brach der Großvater, der neben dem Rotkehlchen lief, das Schweigen: „Ich danke dir, mein Freund!“ Sagte er nur. Hinten im Zug rief jemand: „Frohe Weihnachten!“ Und da brach ein Rufen und ein Lachen aus: „Frohe Weihnachten!“, riefen sie alle einander zu. Einer der Wichtel stimmte ein Lied an und singend wanderten sie nach Hause, in die Wärme und Geborgenheit ihrer Höhle, wohlbehalten und glücklich, an diesem Weihnachtsmorgen.

Der Junge und der Schaffner

© Agnieszka Rygula Agi Rygula Photography

Ein kleiner Junge stand an einem Bahnsteig, an den Rock seiner Mutter geklammert. Seine Hände steckten in Fäustlingen, ein Schnürsenkel der kleinen Lederschuhe war offen, er trug einen warmen Wollmantel und das kleine Gesicht lugte unter einer dicken Strickmütze hervor. Es war so kalt, dass jeder Atemzug kleine Wölkchen erzeugte. Die kleine Nase war rot und triefte.  Neben ihm standen drei große Koffer.
Mutter und Vater waren ebenfalls in dicke Mäntel gehüllt und gerade stritten sie lautstark über die Fahrkarten.
„Sei schön brav mein Schatz und warte hier auf uns.  Dein Vater und ich müssen eben zum Eisenbahnschalter. Wir sind gleich zurück.“ Sagte die Mutter zu ihrem Sohn und war gleich darauf in der Menschenmenge verschwunden. Ängstlich schaute der kleine Junge sich um. Es war viel los auf dem Bahnsteig. Hier und dort standen Grüppchen von jungen Tagelöhnern, die sich lachend und scherzend die kalten Hände rieben. Feine Herren in noch feineren Mänteln führten zarte Damen in schönen Kleidern und Pelzmänteln am Arm. Pagen schleppten Berge von Gepäck hinter ihnen her. Väter und Mütter saßen mit kleinen  Kindern auf dem Schoß auf den Bänken und versuchten sich gegenseitig so gut es ging zu wärmen. Nicht weit von ihm wickelte ein älterer Herr ein Butterbrot aus und begann zu essen.
Der kleine Junge fühlte sich schrecklich verloren. Ihm gefiel das alles nicht. Warum waren sie hier, warum war er nicht bei der Großmutter, in deren großem alten Haus sie wohnten. Das alte Haus mit den vielen Zimmern und dem netten Dienstmädchen, die ihm im Winter heiße Schokolade zum Frühstück machte.
Da kündigte von Ferne ein lautes Tuten die Ankunft der schweren Dampflokomotive an. Schwerfallig schnaufend fuhr sie in dem Bahnhof ein und hielt schließlich mit einem schrillen Quietschen der Bremsen am Bahnsteig. Der Dampf der Lokomotive hüllte den Bahnsteig und alle Menschen darauf in dichten Nebel.
Da sah der Junge einen Mann aus einem Waggon steigen. Er trug einen schwarzen Mantel und eine Schaffnermütze auf dem Kopf. Der Mann sah sich um. Als er die ehrfürchtigen Blicke des Jungen bemerkte, schaute er ihn eine Weile an und kam dann zu ihm herüber. Er ging vor ihm in die Knie und fragte freundlich: „Na kleiner Mann, wo sind denn deine Eltern?“ Der kleine Junge wies mit dem kurzen Ärmchen hinter sich und sagte: “ Sie sind da entlang gegangen, aber sie kommen gleich wieder.“ „Ganz bestimmt!“ Sagte der Schaffner und lächelte. „Und wohin geht die Reise?“, fragte er noch. „Ich weiß es nicht.“ Sagte der kleine Junge scheu und Furcht spiegelte sich in dem kleinen Gesicht. Der Schaffner sah das Kind eine Weile an. Dann sagte er: „Weißt du mein Junge, wenn man sein Ziel fest im Herzen trägt, ist es egal wo man hin geht. Man kommt immer an genau dem richtigen Ort an.“ Er nahm seine Mütze vom Kopf und setzte sie dem Jungen auf. „Hier, die schenke ich dir, bringt Glück!“ Und er zwinkerte dem Jungen zu. Dann erhob er sich und verschwand langsam im Dunst des Bahnsteigs.
Kurz darauf kamen die Eltern des Jungen zurück und stiegen mit Sohn und Gepäck in die Eisenbahn. Schwerfallig setzte diese sich in Bewegung, einer neuen Stadt, einem neuen Zuhause und einer neuen Zukunft entgegen.
Die Jahre vergingen und der Junge wuchs heran. Er bekam eine gute Ausbildung, fand einen guten Job, heiratete eine liebevolle schöne Frau, eröffnete ein eigenes Geschäft, kaufte ein großes Haus mit vielen Zimmern und einem Dienstmädchen, das im Winter heiße Schokolade für seine Kinder machte und führte ein zufriedenes Leben. Die Begegnung mit dem Schaffner hatte er niemals vergessen.
Jetzt, fast ein halbes Jahrhundert später, stand er wieder an einem Bahnsteig. Vor ihm stand sein ältester Sohn, in kurzen Hosen, Hemd und Wanderstiefeln, mit einem ledernen Rucksack auf dem Rücken in dem nicht viel mehr war, außer einigen wenigen Wechselsachen und ein paar Geldscheinen, für den nötigsten Bedarf. Wie gerne hätte er seinem Sohn wenigstens noch ein bisschen Geld zugesteckt, doch das hatte dieser bereits abgelehnt. Das gesparte Geld für die Ausbildung lag auf der Bank und dort würde es bleiben, bis der Sohn zurück kehren würde. Wann immer das auch sein würde.
Was hatten sie für schlaflose Nächte gehabt, seit der Sohn den Eltern eröffnet hatte, dass er nach Beendigung der Schule kein Studium beginnen, sondern auf gut Glück in die Welt hinaus ziehen würde um zu sehen, wohin es ihn verschlägt. Was hatten sie gestritten, auf ihn eingeredet, an seine Vernunft appelliert, ihm gedroht und ihn schließlich angefleht. Die Mutter hatte tagelang geweint und der Vater nichts mehr essen können. Mit Schrecken hatten sie diesem Tag entgegen gesehen, doch da an dem Entschluss des Jungen nicht zu rütteln war, blieb Ihnen letztendlich nichts anderes übrig, als ihm ihren Segen zu geben und ihn ziehen zu lassen. Die Mutter und die Schwester hatten sich schluchzend von ihm verabschiedet und der kleine Bruder hatte ihm auf die Schulter geklopft, nicht ohne eine Spur Neid in den Augen. Der große Bruder würde Abenteuer erleben. Natürlich hatte er versprechen müssen, wenigstens jede Woche einmal zu schreiben.
Und nun standen sie hier, der Vater und sein Sohn, den er nun ins Ungewisse gehen lassen würde, schweigend, um Worte ringend.
Schließlich war es der Vater, der das Schweigen brach: „Ich habe hier etwas für dich.“ Sagte er und zog die zerknitterte löchrige Schaffnermütze aus seiner Tasche. Der Sohn hob abwehrend die Hände. „Aber Vater, du kannst mir doch nicht deine Mütze schenken, sie ist dein Glücksbringer!“ Doch der Vater winkte ab. „Ich habe im Leben alles erreicht was ein Mensch sich wünschen kann. Ein gut laufendes eigenes Geschäft, Wohlstand, gute Freunde und die Liebe einer Familie. Nun stehst du am Anfang deines Erwachsenenlebens und musst entscheiden, in welche Richtung du gehen möchtest, was für ein Mann du sein möchtest. Und dabei kannst du jedes Fünkchen Glück gebrauchen, das du bekommen kannst.“ Bei diesen letzten Worten setzte er ihm die Mütze auf den Kopf. Er schwieg und sah seinem Sohn in die Augen. Und nach kurzem Zögern fügte er hinzu: „Weißt du mein Sohn, wenn man sein Ziel fest im Herzen trägt, ist es egal wo man hin geht. Man kommt immer an genau dem richtigen Ort an.“
Der Sohn lächelte und nahm seinen Vater in die Arme. Er drückte ihn fest an sich. Neben Ihnen setzte die Eisenbahn sich langsam in Bewegung. Der Junge löste sich vom Vater und sprang auf das Trittbrett des nächsten Waggons. Er drehte sich zum Vater um und schwenkte zum Abschied die Mütze, während der Zug aus dem Bahnhof rollte, einer neuen ungewissen Zukunft entgegen.

Reise zu den Sternen

Fantasiereisen sind eine tolle Möglichkeit zur Stressbewältigung und um den häufig viel zu hohen Muskeltonus herunter zu fahren.

Auch für Kinder sind sie eine schöne Strategie, in einem hektischen Alltag kurz zur Ruhe zu kommen. Sie regen die Fantasie an und können eine tolle Bereicherung für die Eltern-Kind Beziehung sein. Vor allem, wenn man noch sanfte Massagen einbaut. Durch die Berührung werden zusätzlich das Immunsystem angeregt, Endorphine frei gesetzt, die glücklich machen und außerdem Oxytocin ausgeschüttet, was beruhigend und stress- und angstlindern wirkt. Eine Fantasiereise mit Massage kann also in vielen Situationen eine tolle Hilfe sein, zum Beispiel am Abend vor einer Klausur, vor dem Einschlafen oder wenn das Kind sehr traurig ist.

Ich habe einen Sohn, der eher stressanfällig und oft sehr angespannt ist. Wir haben die Fantasiereisen eingeführt, um etwas Druck von ihm zu nehmen, zum Beispiel nach der Schule. Wir ziehen uns dann für zehn bis zwanzig Minuten zurück, machen eine schöne Entspannungsmusik an (auf Youtube, Schlagwort „Entspannungsmusik für Kinder“) und lesen eine Fantasiegeschichte. Dabei liegt er meistens mit dem Bauch über meinem Schoß, so dass ich ihm den Rücken massieren und kraulen kann. Der Raum sollte schön warm sein.

Da wir uns sowieso gerne zusammen Geschichten ausdenken, habe ich angefangen, die Fantasiereisen selbst zu schreiben. Hier ist ein Beispiel:

(Diese Geschichte eignet sich am besten zum Einschlafen. Langsam und ruhig vorlesen. Zwischendurch kurze Pausen machen und das Kind tief ein und aus atmen lassen.)

Es ist Nacht. Der Mond leuchtet hell in dein Zimmer. Das silbern helle Licht scheint dir ins Gesicht und kitzelt dich an der Nase. Du stehst auf und setzt dich ans Fenster. Die Welt schläft. Dunkel heben sich die Umrisse der Bäume, Sträucher und Häuser gegen das helle Mondlicht ab. Eine Laterne leuchtet matt am Straßenrand. Am Himmel leuchten tausende Sterne mit dem Mond um die Wette. Es glitzert und funkelt. Du öffnest dein Zimmerfenster und atmest die frische Nachtluft ein- ein und aus… und ein und aus… ganz tief. Ach wie wäre es schön, jetzt zu den Sternen fliegen zu können.

Da siehst du auf einmal, eine kleine Nussschale, mit weißem Segel, am Himmel auf dich zufliegen. In der Nussschale sitzt ein kleines Männchen, mit einer Laterne in der Hand und einem Säckchen am Gürtel. Das Männchen hat einen blauen Mantel an und ein lustiges kleines Bärtchen am Kinn. Es ist der Sandmann, der dir fröhlich zuwinkt. Er lächelt und du lächelst zurück.

Das kleine Boot hält direkt vor deinem Fenster. Der Sandmann nickt dir zu und du kletterst in das Boot. Eine kuschelige weiche Decke, mit vielen Sternen bedruckt, liegt auf deinem Platz und du kuschelst dich darin ein. Ach ist das schön gemütlich. Ein warmes wohliges Gefühl breitet sich in deinem ganzen Körper aus. Du atmest tief ein und aus.

Das kleine Boot setzt sich in Bewegung. Langsam segelt es hinauf zu den Sternen.

Als es am Mond vorbei fliegt, siehst du den Mann der auf dem Mond wohnt. Er schlendert mit seiner Laterne und seinem dunklen Umhang gemütlich durch den glänzenden Staub. Du winkst ihm fröhlich und er zwinkert dir zu.

Weiter geht die Reise, durch die samtschwarze Nacht, ins tiefe weite All. Ihr fliegt an golden und silbern glitzernden Sternen vorbei.

Bald seid ihr so weit geflogen, dass ihr von weitem die Milchstraße sehen könnt. Unsere wunderschöne, kringelförmige Galaxie, die von all den kleinen und großen Sternen in tausend Farben erstrahlt.

Du fühlst dich ganz leicht und geborgen. Du weißt, dass auch du ein Teil dieses vollkommenen Universums bist.

Langsam wirst du müde und du gähnst. Uuuuaaaaahhhh.

Leise schwebt das Boot zurück Richtung Erde. Deine Augen werden immer schwerer und fallen dir zu. Ihr kommt zu einer wunderbar weichen, flauschigen Wolke. Der Sandmann legt dich hinein und deckt dich schön warm zu.

Dein ganzer Körper ist leicht, entspannt und fühlt sich herrlich warm und müde an. Die Wolke ist so weich und kuschelig. Der Sandmann, streut dir noch ein wenig glänzenden Schlafsand über die Augen, bevor er wieder leise in der Nacht verschwindet. Der gutmütige alte Mond wacht über dein Wolkenbett. Du fühlst dich sicher und geborgen.

Seelig schläfst du ein und du weißt, wenn dich die Sonne am Morgen weckt, wirst du wieder in deinem gemütlichen Bettchen in deinem Zuhause liegen.

Der Nussknacker

Angelehnt an E. T. A. Hoffmanns „Nussknacker und Mausekönig“

Es ist Heiligabend. Du liegst in deinem Bettchen und deine Gedanken sind erfüllt von all den Erlebnissen des vergangenen Abends. Die Lichter, das Glänzen, die Düfte, all die schönen Geschenke und was habt ihr gelacht. Noch immer spürst du dieses Lachen in deinem Herzen.
Du kannst nicht einschlafen, weil du noch so aufgeregt bist.
Leise schleichst du aus deinem Zimmer. Aus der Küche hörst du leises Geklapper. Jemand wäscht ab.
Im Wohnzimmer brennen noch die Lichter am Baum und in den Fenstern. Der Weihnachtsbaum ist mit bunten Kugeln, Sternen und kleinen Engeln geschmückt. Unter dem Baum liegen noch die Geschenke. Es duftet nach Zimt, Apfel, Mandarine und nach Kerzenrauch. Du atmest tief ein. Oh dieser herrliche Duft. Du fühlst dich warm und geborgen. Du nimmst deine neuen Spielsachen in den Arm und kuschelst dich aufs Sofa. Da ist dein neues Schmuckkästchen, mit der Schönen Tänzerin auf dem Deckel. Und wenn du den Deckel öffnest, fängt eine kleine Fee mit Ballettschuhen und einem winzigen Zauberstab in der Hand an zu tanzen und sich zu drehen. Dazu erklingt eine herrliche Melodie.
Und dann ist da der tolle Nussknacker, mit seinem roten Jäckchen, dem weißen Rauschebart und der Krone auf dem Kopf.
Und natürlich das schöne Buch mit den drei frechen kleinen Mäusen, die lauter lustige Abenteuer erleben. Du wünschst dir, du könntest mit ihnen zusammen spannende Abenteuer erleben.
Doch was ist das, der Deckel von deinem Schmuckkästchen fängt plötzlich an zu ruckeln und zu wackeln. Vorsichtig öffnest du ihn und schaust hinein. Die schöne Melodie erklingt und aus dem Kästchen heraus klettert die kleine Fee. Lachend hüpft sie über deinen Schoß, auf das Sofa und dann auf den Fußboden. Sie schwingt ihren Zauberstab und Ping, ist sie so groß wie eine erwachsene Frau. Sie hat goldene lockige Haare und ein wunderschönes weißes Kleid an, mit einem bauschigen Tüllrock. Der Zauberstab in ihren Händen glitzert und funkelt.
Wieder schwingt sie den Stab und diesmal erwacht der Nussknacker zum leben. Auch er wird groß und verbeugt sich feierlich vor der Fee. Die beiden fangen an zu tanzen. Sie schweben durch das Wohnzimmer und drehen und drehen sich, schneller und immer schneller. Dabei wirbelt Feenstaub durch den Raum. Ein paar glitzernde Funken landen auf dem Buch.
Da hüpfen auf einmal die drei kleinen Mäuse heraus und laufen lachend über den Fußboden. Eine von ihnen wirft sich ein Tuch über die Schulter und setzt sich deine Spielkrone auf den Kopf. Sie läuft hinter den anderen her und tut so, als würde se sie herum kommandieren. Die Fee und der Nussknacker sehen die Mäuse nicht und so tanzen sie arglos weiter.
Da gerät die Maus mit der Krone auf dem Kopf zwischen die Beine des Nussknackers und der arme stolpert und landet mit lautem Getöse auf dem Boden. Seine Krone sitzt jetzt ganz schief auf seinem Kopf. Der Mausekönig rollt wie ein Filzball durch den Raum, landet mit großen Augen auf dem Rücken und rudert mit den Ärmchen und Beinchen. Das sieht so lustig aus, dass du anfängst, laut zu lachen.
Da bemerken dich auf einmal die anderen. Die Fee kommt lachend auf dich zu und reicht dir ihre Hand. Als du aufstehst, stehst du plötzlich in einem prächtigen Ballsaal. Samtblaue Vorhänge hängen an den riesigen Fenstern und die weißen Wände sind mit Stuck verziert. Funkelnde Kronleuchter hängen an den Decken und überall leuchten Kerzen. Es duftet herrlich weihnachtlich und kleine Mäuse mit schwarzen Gehröcken und weißen Tüchern über den Ärmchen flitzen durch die Gegend und verteilen Punsch an die Gäste. In einer Ecke spielt ein kleines Orchester aus Mäusen und auf einer Bühne sitzt der kleine Mausekönig, jetzt in einen flauschigen Hermelin gekleidet, mit einer Mausekönigin in einem königlichen Ballkleid an seiner Seite, auf einem Thron. Die Gäste sind beeindruckend und prunkvoll gekleidet. Dort tanzt eine japanische Geisha in blauer Seide mit Kirschblütenmuster, dort eine spanische Tänzerin mit schwarzer Bluse und einem roten, wallenden Rock. Eine indische Tänzerin mit glitzernden bunt bestickten Tüchern zeigt einen traditionellen Bauchtanz. Und in der Mitte des Raumes führen russische Tänzer mit runden Pelzmützen auf dem Kopf den traditionellen Kosatschok vor.
Der Nussknacker nimmt dich an der Hand und führt dich auf die Tanzfläche. Du hast jetzt ein wunderschönes Schneefarbenes Kleid, mit einer langen Schleppe und glitzernden Sternen bedruckt an. Und während ihr durch den Ballsaal tanzt, laufen die frechen Mäuse lachend um dich herum und drehen dich immer schneller und schneller. Du musst so lachen, dass die der Bauch weh tut. Ist das herrlich. Die Zeit vergeht wie im Flug. Da hebt der Mausekönig sein Zepter und verkündet das Ende der Ballnacht. Alle verbeugen sich dankbar und ehrfürchtig. Du schließt deine Augen, um noch einmal ganz tief den herrlichen Duft einzuatmen. Und als du die Augen öffnest, liegst du in deinem Bettchen, deine Mama sitzt lächelnd über dich gebeugt davor und streichelt dir das Haar. Sie gibt dir einen sanften Kuss und seelig lächelnd, mit dem Nussknacker im Arm, schlummerst du friedlich ein.

Eine Waldelfe namens Orlanda

Tief im Wald, an einem verzauberten See steht eine uralte knorrige Weide. Seit hunderten von Jahren steht sie dort und lässt ihre langen, schweren Zweige hinab hängen in das kristallklare Wasser dieses magischen Sees. Und in der Weide versteckt lebt eine kleine Waldelfe namens Orlanda. Sie ist eine der letzten vom vergessenen Elfenvolk. Waldgeister, die schon immer da waren, von Anbeginn, als die Welt noch jung war, als die Flüsse noch klar, die Wälder unendlich und Wiesen, Täler und Berge weit und majestätisch waren. In dieser alten und freien Welt, voller Zauberer, Magier, Hexen, Riesen und verwunschenen Wesen lebten die Elfen in Frieden und verbreiteten Liebe und Güte. Ihr Zauber lag über jeder Blume, jedem Blatt und jedem Stein. Sie halfen den Pflanzen wachsen und ihre Elfentränen konnten Wunden heilen. Doch eines Tages kam Unheil über die Welt. Der Mensch erhob sich über alles Leben und machte die Pflanzen, Tiere und Mutter Erde zu Sklaven seiner Gier. In seinem Streben nach Macht metzelte der Mensch alles nieder und zerstörte das zarte Gleichgewicht der Kräfte der Natur. Die Elfen starben mit den Lebewesen die sie umsorgten. Sie starben an gebrochenen Herzen und Verzweiflung über die Zerstörung, denn alle Tränen reichten nicht aus, um das Leid zu heilen. Nur einige konnten sich in die wenigen noch übrigen Zauberwälder retten. Sie bannten diese letzten Regionen der alten Welt mit Magie und schützten sie fortan vor der Welt außerhalb. In der Welt der Menschen gerieten die Elfen in Vergessenheit. Die Erwachsenen verloren ihre Fähigkeit an sie zu glauben und so war niemand da, der den Kindern von ihnen erzählen konnte. Nur einige wenige, die den Glanz der alten Tage noch im Herzen spürten, erzählten Geschichten von den Elfen und schufen eine Märchenwelt, in der sie weiterleben konnten. Und solange es Kinder gibt, die an Elfen glauben, leben sie weiter, im Verborgenen, an diesen magischen Orten.

Lulu und die Piraten

© Christina Krüger Thalyndra-Artworks

Es war einmal, eine finstere Piratenbande. Der Kapitän hieß Säbel-Sven, der erste Maat hieß Bootskalle und die Männer der Besatzung hießen Pepe, Rolfe und Angelo. Außerdem gab es noch den Koch, der hieß Käjüten-Karl. Die sechs Piraten lebten auf einer einsamen Insel. Dort waren sie gestrandet, als vor zehn Jahren ihr Schiff gekentert und auf dem Meeresboden versunken war. Zum Glück konnten sie damals ihren Schatz retten und mit auf die Insel nehmen. Er lag nun versteckt in einer steinernen Grotte in einer Bucht, die sie Höllenschlucht nannten, denn sie war von hohen Felsen umgeben und war nur über Wasser zu erreichen. Der Schatz befand sich in einer großen Holztruhe mit Eisenbeschlägen, auf dem ein altes Skelett mit einem Kopftuch und einem Säbel in der Hand saß. Das Skelett hieß Glatzen-Piet und war seit vielen Jahren das Maskottchen der Piraten. Es war auf der ganzen Welt mit den Piraten umhergesegelt und lag ihnen sehr am Herzen. Da sie nun sowieso hier fest saßen, hatten Sie Glatzen-Piet auf die Kiste gesetzt, damit die Schatzgrotte noch unheimlicher wirkte. Die Piraten saßen nun also hier fest und hatten den ganzen Tag nicht viel zu tun. Sie schärften ihre Säbel, tranken aus kokosnüssen, aßen eines der vielen Gerichte, die Käjüten-Karl für sie zubereitete- natürlich ausschließlich aus dem einzig Essbaren, was es auf der Insel gab- Bananaen und ansonsten ließen sie sich die Sonne auf den Bauch scheinen und taten gar nichts. Es gab ja nicht einmal ne Buttel Rum, mit der sie sich die Zeit des Wartens leichter machen konnten. Nur Angelo saß den ganzen Tag auf einer Palme in einem selbst gebauten Ausguck und suchte mit seinem Fernglas den Horizont ab. Am Anfang waren sie alle noch zuversichtlich gewesen, doch nach so vielen Jahren glaubte eigentlich niemand mehr daran, dass Angelo noch jemals etwas entdecken würde. Nur ein paar mal hatte er versehentlich einen vorbeischwimmenden Waal für ein Schiff gehalten. Doch heute passierte tatsächlich etwas ungewöhnliches. Es war Mittag und Kajüten-Karl räumte gerade das Geschirr vom Mittagessen weg- Es gab heute Bananenauflauf- da schrie Angelo aus Leibeskräften: „Flasche Ahoi! Flaschenpost auf Steuerbord!“  Kapitän Säbel-Sven erwachte aus seinem Schlaf und schrie:“ Na los ihr Ratten, ab ins Wasser mit euch, die Flasche bergen. Und kommt mir ja nicht ohne zurück, sonst mache ich euch Beine!“ Sofort rannten alle Piraten los und stürzten sich in die Wellen. Rolfe war als erster bei der Flasche. Prustend und stolz, kam er mit der Beute an Land. In der Flasche war tatsächlich ein Brief, in krakeliger Kinderschrift geschrieben. In dem Brief stand:

Liebe Piraten,

ich hoffe es geht euch gut. Uns geht es leider gar nicht gut. Seit der Zeit, als ihr unser Dorf überfallen und all unser Gold und unsere Juwelen gestohlen habt, geht es uns sehr schlecht. Wir leben in Großer Armut und haben kaum genug zu Essen. Bitte gebt uns unser Gold zurück, wenigstens ein bisschen davon. Bald hat meine kleine Schwester Geburtstag und ich würde ihr so gerne etwas schönes schenken.

 

Liebe Grüße aus Maui Mui,

 

eure Lulu

 

Die Piraten standen um den Kapitän herum und sahen betreten auf ihre Füße. Als sie damals die Schatztruhe aus dem Dorf gestohlen hatten, bei Nacht und Nebel, war es das erste mal gewesen, dass sie kein anderes Piratenschiff geentert hatten, um an Gold zu kommen. Aber das ihre Tat so schreckliche Folgen haben würde, damit hatten sie nicht gerechnet. Nun schämten sie sich. Doch Bootskalle rief: Reißt euch zusammen Männer! Hört auf Trübsal zu blasen und lasst uns lieber überlegen, wie wir dem kleinen Mädchen helfen können!

Die Piraten überlegten und überlegten. Endlich hatte Pepe den rettenden Einfall: Sie malten eine Schatzkarte, auf der sie die Position der Insel und die genaue Lage der Schatzgrotte verzeichneten. Die Schatzkarte steckten sie in die Flasche, zusammen mit einem Brief. Darauf stand:

Liebe Lulu, es tut uns schrecklich leid, dass wir euer Gold gestohlen haben. Wir wussten nicht, dass ihr es so dringend braucht. Natürlich geben wir es euch gerne zurück! Nur leider sitzen wir hier fest und können euch die Schatztruhe nicht selber bringen. Deswegen schicken wir euch diese Schatzkarte, damit ihr die Kiste finden könnt.

Ehrerbietigste Grüße,

 

deine Piratenbande

PS. Keine Angst vor Glatzen-Piet der ist harmlos.

PPS. Das kleine Päckchen ist für deine kleine Schwester- alles Gute zum Geburtstag!

 

Sie verschlossen die Flasche mit einem Korken und banden ein kleines Päckchen aus Palmenblättern daran fest. In dem Päckchen war ein magisches Amulett, welches der Kapitän von einem Schamanen bekommen hatte, ein kleiner Minisäbel und ein wertvoller Ring, den Bootskalle einem Piratenkönig gestohlen hatte.

Sie warfen die Flaschenpost ins Meer und taten was sie ohnehin am besten konnten. Nichts tun und warten. Es dauerte nicht lange und Angelo entdeckte von seinem Ausguck aus ein Schiff am Horizont. Es segelte direkt zur Höllenschlucht und nicht lange darauf, landete ein Boot am Piratenstrand. Die Menschen darin winkten und riefen: Ahoi Ahoi. Ein kleines Mädchen sprang aus dem Boot. Es war die kleine Lulu. Sie lief auf den Kapitän zu und sprang ihm in die Arme. „Danke ihr lieben Piraten! Vielen vielen Dank!“ „Nana mein Kind, es war ja nur selbstverständlich dass wir euch euer Gold zurück geben.“ Sagte er, doch dabei wischte er sich heimlich eine kleine Träne von der Wange. Die Dorfleute bargen die Schatzkiste und luden die Piraten ein, mit ihnen in ihr Dorf zu kommen. Mittlerweile geht es allen wieder gut. Die Menschen im Dorf haben genug zu essen und es gibt genug Arbeit, denn jetzt ist wieder genug Gold da, um sie bezahlen zu können. Die Kinder sind fröhlich und unbeschwert und die Mütter können Nachts wieder gut schlafen. Und was die Piraten betrifft. Die haben ihren Beruf gewechselt. Sie sind jetzt Postboten. Sie haben von den Dorfbewohnern ein Schiff bekommen und fahren nun von Insel zu Insel und bringen den Menschen ihre Post. Die Leute stehen dann immer schon am Ufer und freuen sich und winken den Piraten von weitem zu. So etwas hatten sie vorher noch nie erlebt und sie waren sehr glücklich darüber. Und manchmal, wenn das Piratenschiff in den Hafen einläuft und eine steife Brise aus Nordwest weht, kann man am Bug ein kleines Mädchen stehen und winken sehen.

Das Lied der Mondfrau

© Tithi Luadthong

Das Lied der Mondfrau ist traurig und schön. In eisigen Nächten sitzt sie am Ufer des verzauberten Sees und spielt auf einer silbernen Harfe. Tautropfen glänzen wie Perlen in ihren Haaren und ihre blasse Haut schimmert im Licht des Vollmondes. Ihr weißes

Kleid ist durchwirkt von Silberfäden. Ihre Schönheit ist so atemberaubend, dass sie sich keinem Sterblichen je zeigte, denn jeder der sie erblickte würde vor ihrer Anmut zergehen und übergehen in eine Schattenwelt, aus der er nicht mehr entrinnen könnte.

Doch manch einer, der sich mondfühlig nennt, spürt eine unsägliche Sehnsucht in sich. Ein Solcher sitzt in Vollmondnächten andächtig da, wartend, hoffend und findet keinen Schlaf. Und sein Herz verzehrt sich nach etwas, dass sein Leib nicht kennt, sein Auge nie sah und seine Hände nie ertasteten.

Für all jene ist ihr Lied bestimmt. Sie salbt ihre wunden Seelen mit dem fernen Klang ihrer glasklaren Stimme. Ihr Gesang erfüllt die kalte Luft und wallt in Nebeln über das schlafende Land. Mondstaub rieselt hernieder und legt sich auf die schlafenden Gemüter, so dass ihr Traum wirklicher wird und manche Botschaft so Manchen erreicht. Doch jenen, die wach sind, brennt der Staub in den Augen und bringt die Tränen hervor, die schon so lange darauf warten, geweint zu werden.

Die dunkelsten Stunden der Nacht gebären ein quälendes Verlangen. Die Wachenden überkommt eine unbequeme Ahnung, ein heimliches Wissen, um die Vergeudung all der Stunden, die sie des Tags wie Schatten durch die Welt streifen, ohne je lebendig zu sein. Keine der wichtigen Fragen je beantwortet zu haben. Keine der großen Taten je vollbracht zu haben. Und manche Seele fällt darüber in Verzweiflung und schüttelt sich am Boden in Weinkrämpfen und möchte zerspringen oder glühend vergehen, vor der Furcht, ein Leben in Bedeutungslosigkeit zu vergeuden.

Und wen die erdrückende Zahl solch qualvoller Stunden noch nicht zu brechen vermochte, der bäumt sich auf in einem letzten verzweifelten Flehen und schreit zum Himmel: „Ich weiß, dass dies nicht alles ist! Ich weiß um die Schönheit, die dessen harrt, offenbart zu werden! Hört mich ihr Führer, erhört mein Flehen und weist mir den Weg! Lasst mich hier nicht zergehen!“

Und ihre Bitten steigen empor zu den Sternen und verhallen im endlosen Universum. Und ihr Schwingen erzeugt eine ungeheure Kraft, die den Lauf der Dinge zu ändern vermag. Und so erschaffen sie eine neue Zeit, eine neue Welt, Vollmondnacht für Vollmondnacht, über viele Jahrhunderte hinweg.

Und alle Zeit sitzen die Nachtgeister in den wipfeln der Bäume und flüstern sich gegenseitig zu: Die Mondfrau sitzt am Zaubersee und singt ihr trauriges Lied.

Der Zauber der Nebelfrau

© Maksim Gorbunov

Ob ich den Herbst liebe? Geh doch hinaus und schau dich um, schau dir all die Wunder an: Dort ist eine Zauberwelt direkt vor deiner Nase. Die alten Mythen leben wieder, in dieser märchenhaften Zeit. Dort hinten auf der taunassen Wiese sitzt die Nebelfrau und spinnt weiße Fäden zu einem Schleier, der das ganze Land überzieht. Das Licht der tiefstehenden Sonne taucht die Welt in ein majestätisches Gold und passend dazu, malen zarte Sylphen die Blätter der Bäume in leuchtenen Farben an, von Rot und Gelb und Orange. Der Wind hat sie hergebracht aus der Ferne. Sie tanzen in seinem wirbelnden Rhythmus, zupfen dich hier und dort und streichen dir übers Haar. Sie spielen auf Harfen aus dünnen Zweigen und das Rauschen der Blätter verrät ihr Spiel in den Kronen der alten Bäume. Rotbackige Äpfel hängen in den Ästen und neben manchem Apfel sitzt ein rotbackiger Zwerg mit einer roten Zipfelmütze und zwinkert dir zu. In der Ferne am Horizont, verschwimmen die Berge in einem Dunst aus hell leuchtend grauem Blau. Und wenn du ganz genau hinschaust, erkennst du dort, vor den Umrissen spitz gezackter Bäume, die Konturen eines kleinen windschiefen Häuschens und siehst eine kleine gebückte Frau, die, um ein Feuer tanzend, die Geister der Natur beschwört.

Der Duft des Rauches weht herüber und vermischt sich mit den erdigen Noten dieser verzauberten Jahreszeit. Die Welt hat die Geburt des Lebens vollbracht. Die reifen Früchte liegen auf der Festtafel bereit und warten auf die Gäste, die sich an ihnen laben sollen. Mutter Natur gibt ein Fest für ihre Kinder und macht sie bereit für den erholsamen Schlaf, in den sie bald versinken werden. Das Jahr liegt im Sterben, erfüllt von Reichtum und Dankbarkeit und dem Bewusstsein, Teil des ewigen Kreislauf des Lebens zu sein. Alles ist gut so, wie es ist. Auch wenn Wehmut unsere Gedanken durchzieht dieser Tage. Es ist ein Abschied, mit der Vorahnung auf den Neubeginn. Die Zeit der Ruhe ist ganz nah. Doch noch nicht ganz. Zuerst wird getanzt und gelacht, in prunkvolle Kleider gehüllt, in den schönsten Farben der Erde, durchwirkt von den silbrigen Fäden des Altweibersommer, im goldenen Licht der Herbstsonne. Den Königskindern wird der Reichtum ihrer Kinderstube zu Füßen gelegt und wir dürfen ihn in Liebe und Dankbarkeit annehmen. Und zur Nacht spinnt die Nebelfrau ihren zarten Schleier auch über unseren Schlaf und ihr Zauber wirkt in unseren Träumen und flüstert uns vom Neubeginn, der vor uns liegt.

Das letzte Einhorn

© Corey A Ford

Vor vielen Jahrtausenden lebte auf dieser Erde ein großer Geist, in der Gestalt eines weißen Pferdes. Seine lange Mähne wogte in fliehenden Locken um seinen anmutigen Körper und seine samtigen Nüstern hoben sich dunkel ab, von dem strahlenden Weiß seines glänzenden Fells. Auf seiner Stirn prangte ein langes goldenes Horn.

Der Geist war alt. Älter als die weisen Ströme, älter als die großen Bäume und älter als die Wichtel und Gnome in ihren dunklen Höhlen. Schon immer wanderte er durch diese Welt, galoppierte über die weiten Ebenen und durchschritt tiefe und geheimnisvolle Wälder. Er kannte jeden Fluß, von seiner Quelle bis zum Meer. Er hatte Berge sich erheben sehen und Inseln untergehen. Aus Eicheln wurden Bäume und nach Jahrhhunderten starben sie und wurden zu Erde. Er begleitete ihre Seelen auf ihrer Wanderung. Er kannte sie alle. Er war der letzte seiner Art. Es hatte einmal viele gegeben. Weise herrschten sie über diese Welt im Einklang mit allen Wesen und Geschöpfen. Doch nach und nach waren sie gegangen, denn sie spürten den Wandel: Die Welt veränderte sich. Und er spürte es auch. Eine neue Zeit brach an. Eine Zeit des Unbehagens und der Zweifel, eine Zeit der Zerrissenheit und der Suche, eine Zeit der Kriege und Kämpfe, eine Zeit des Wachstums und der großen Fragen, die Zeit der Menschen. Zu gerne wäre er geblieben, um ihnen beizustehen, denn er wusste, was ihnen bevorstand, all den Seelen. Auf ihrem Weg zum Licht mussten sie die tiefste Dunkelheit durchqueren. Doch seine Zeit war gekommen: Sein Leben war gelebt und seine Aufgabe erfüllt. Er würde nun eingehen in den großen Frieden, als letzter seiner Art. Ein letztes Mal trabte er durch den alten Wald und trank das kühle Wasser der weißen Quelle. Würden die Menschen jemals hierher finden? Er hob seinen Kopf und hielt ihn in den kühlen Wind. Der Wind, sein alter Freund, mit dem er durch die Welt geritten war, lange Jahre. Er würde bleiben und all die alten Geschichten erzählen. Ob sie jemand hören würde? Ein letztes Mal lauschte er dem Singen des Wassers und dem Klangspiel der Nebelfrau, am Ufer des großen Sees. Er roch den satten Duft der Erde und der Blätter und sah ein letztes Mal das Spiel der Sonnenstrahlen, welche durch das Geäst der Bäume auf das Wasser fielen und in goldenen Funken auf dem Waldboden tanzten. All die Wesen um ihn herum sahen ihn an und ihre Herzen waren von Wehmut erfüllt. Baumgeister, Felsengnome, Waldelfen in duftenden Blumen, Zwerge unter Pilzhüten und knorrigen Wurzeln, Wassernixen, Luftgeister und all die anderen. Ein alter Freund verließ sie nun. Da plötzlich stand sie neben ihm. Er kannte sie gut, denn sie hatte schon viele seiner Freunde mit sich genommen. Sie trug ein graues Kleid und war in graue Schleier gehüllt. Ihre Haut war bleich und ihre dürren Finger umklammerten einen Stab aus kaltem Stein, der mit Edelsteinen besetzt war und an dessen Spitze ein leuchtend grüner Smaragd saß. Ihre Augen waren gütig und tief. So stand sie vor ihm, die alte Frau, die Hüterin der Steine. Er neigte seinen Kopf vor ihr und sie nickte ihm zu. Dann hob sie ihren Stab und ein helles Licht erstrahlte und hüllte alles ringsherum ein. Alles war erfüllt von diesem Licht, warm und gleißend. Das Gefühl der Ewigkeit lag darin, der allumfassenden Liebe. Das reinste Wesen dieser Welt löste sich auf in seine Ursubstanz. Und als das Licht erloschen war, war er verschwunden. Dort, wo er gestanden hatte, lag ein großer, strahlender und funkelnder Kristall. Die alte Frau hob den Stein auf und trug ihn mit sich fort. Sie trug ihn hinab in die Tiefen der Erde und begrub ihn unter kaltem Stein. Und in dem Moment, indem er in den tiefsten Schichten versank, erglühten all die Kristalle in ihren dunklen Verstecken und waren erfüllt von dem Licht dieses Schönsten aller Steine.

All das ist nun lange her und heute glaubt niemand mehr an Einhörner. Aber manchmal hält ein Mensch, der auf der Suche ist, einen klaren Kristall in der Hand und für einen kurzen Moment spürt er diese alte Seele und ist erfüllt von dem reinen Licht der Liebe. Und dann weiß er, dass er auf dem richtigen Weg ist. Und wann immer du aus ganzem Herzen liebst und vertraust, lebt der Geist weiter. Und dann leuchtet ein strahlendes Licht in die Tiefen des Universums und spiegelt sich in einem der Milliarden Sterne, die uns daran erinnern, dass es Einhörner gibt.