Reise zu den Sternen

Fantasiereisen sind eine tolle Möglichkeit zur Stressbewältigung und um den häufig viel zu hohen Muskeltonus herunter zu fahren.

Auch für Kinder sind sie eine schöne Strategie, in einem hektischen Alltag kurz zur Ruhe zu kommen. Sie regen die Fantasie an und können eine tolle Bereicherung für die Eltern-Kind Beziehung sein. Vor allem, wenn man noch sanfte Massagen einbaut. Durch die Berührung werden zusätzlich das Immunsystem angeregt, Endorphine frei gesetzt, die glücklich machen und außerdem Oxytocin ausgeschüttet, was beruhigend und stress- und angstlindern wirkt. Eine Fantasiereise mit Massage kann also in vielen Situationen eine tolle Hilfe sein, zum Beispiel am Abend vor einer Klausur, vor dem Einschlafen oder wenn das Kind sehr traurig ist.

Ich habe einen Sohn, der eher stressanfällig und oft sehr angespannt ist. Wir haben die Fantasiereisen eingeführt, um etwas Druck von ihm zu nehmen, zum Beispiel nach der Schule. Wir ziehen uns dann für zehn bis zwanzig Minuten zurück, machen eine schöne Entspannungsmusik an (auf Youtube, Schlagwort „Entspannungsmusik für Kinder“) und lesen eine Fantasiegeschichte. Dabei liegt er meistens mit dem Bauch über meinem Schoß, so dass ich ihm den Rücken massieren und kraulen kann. Der Raum sollte schön warm sein.

Da wir uns sowieso gerne zusammen Geschichten ausdenken, habe ich angefangen, die Fantasiereisen selbst zu schreiben. Hier ist ein Beispiel:

(Diese Geschichte eignet sich am besten zum Einschlafen. Langsam und ruhig vorlesen. Zwischendurch kurze Pausen machen und das Kind tief ein und aus atmen lassen.)

Es ist Nacht. Der Mond leuchtet hell in dein Zimmer. Das silbern helle Licht scheint dir ins Gesicht und kitzelt dich an der Nase. Du stehst auf und setzt dich ans Fenster. Die Welt schläft. Dunkel heben sich die Umrisse der Bäume, Sträucher und Häuser gegen das helle Mondlicht ab. Eine Laterne leuchtet matt am Straßenrand. Am Himmel leuchten tausende Sterne mit dem Mond um die Wette. Es glitzert und funkelt. Du öffnest dein Zimmerfenster und atmest die frische Nachtluft ein- ein und aus… und ein und aus… ganz tief. Ach wie wäre es schön, jetzt zu den Sternen fliegen zu können.

Da siehst du auf einmal, eine kleine Nussschale, mit weißem Segel, am Himmel auf dich zufliegen. In der Nussschale sitzt ein kleines Männchen, mit einer Laterne in der Hand und einem Säckchen am Gürtel. Das Männchen hat einen blauen Mantel an und ein lustiges kleines Bärtchen am Kinn. Es ist der Sandmann, der dir fröhlich zuwinkt. Er lächelt und du lächelst zurück.

Das kleine Boot hält direkt vor deinem Fenster. Der Sandmann nickt dir zu und du kletterst in das Boot. Eine kuschelige weiche Decke, mit vielen Sternen bedruckt, liegt auf deinem Platz und du kuschelst dich darin ein. Ach ist das schön gemütlich. Ein warmes wohliges Gefühl breitet sich in deinem ganzen Körper aus. Du atmest tief ein und aus.

Das kleine Boot setzt sich in Bewegung. Langsam segelt es hinauf zu den Sternen.

Als es am Mond vorbei fliegt, siehst du den Mann der auf dem Mond wohnt. Er schlendert mit seiner Laterne und seinem dunklen Umhang gemütlich durch den glänzenden Staub. Du winkst ihm fröhlich und er zwinkert dir zu.

Weiter geht die Reise, durch die samtschwarze Nacht, ins tiefe weite All. Ihr fliegt an golden und silbern glitzernden Sternen vorbei.

Bald seid ihr so weit geflogen, dass ihr von weitem die Milchstraße sehen könnt. Unsere wunderschöne, kringelförmige Galaxie, die von all den kleinen und großen Sternen in tausend Farben erstrahlt.

Du fühlst dich ganz leicht und geborgen. Du weißt, dass auch du ein Teil dieses vollkommenen Universums bist.

Langsam wirst du müde und du gähnst. Uuuuaaaaahhhh.

Leise schwebt das Boot zurück Richtung Erde. Deine Augen werden immer schwerer und fallen dir zu. Ihr kommt zu einer wunderbar weichen, flauschigen Wolke. Der Sandmann legt dich hinein und deckt dich schön warm zu.

Dein ganzer Körper ist leicht, entspannt und fühlt sich herrlich warm und müde an. Die Wolke ist so weich und kuschelig. Der Sandmann, streut dir noch ein wenig glänzenden Schlafsand über die Augen, bevor er wieder leise in der Nacht verschwindet. Der gutmütige alte Mond wacht über dein Wolkenbett. Du fühlst dich sicher und geborgen.

Seelig schläfst du ein und du weißt, wenn dich die Sonne am Morgen weckt, wirst du wieder in deinem gemütlichen Bettchen in deinem Zuhause liegen.

Der Nussknacker

Angelehnt an E. T. A. Hoffmanns „Nussknacker und Mausekönig“

Es ist Heiligabend. Du liegst in deinem Bettchen und deine Gedanken sind erfüllt von all den Erlebnissen des vergangenen Abends. Die Lichter, das Glänzen, die Düfte, all die schönen Geschenke und was habt ihr gelacht. Noch immer spürst du dieses Lachen in deinem Herzen.
Du kannst nicht einschlafen, weil du noch so aufgeregt bist.
Leise schleichst du aus deinem Zimmer. Aus der Küche hörst du leises Geklapper. Jemand wäscht ab.
Im Wohnzimmer brennen noch die Lichter am Baum und in den Fenstern. Der Weihnachtsbaum ist mit bunten Kugeln, Sternen und kleinen Engeln geschmückt. Unter dem Baum liegen noch die Geschenke. Es duftet nach Zimt, Apfel, Mandarine und nach Kerzenrauch. Du atmest tief ein. Oh dieser herrliche Duft. Du fühlst dich warm und geborgen. Du nimmst deine neuen Spielsachen in den Arm und kuschelst dich aufs Sofa. Da ist dein neues Schmuckkästchen, mit der Schönen Tänzerin auf dem Deckel. Und wenn du den Deckel öffnest, fängt eine kleine Fee mit Ballettschuhen und einem winzigen Zauberstab in der Hand an zu tanzen und sich zu drehen. Dazu erklingt eine herrliche Melodie.
Und dann ist da der tolle Nussknacker, mit seinem roten Jäckchen, dem weißen Rauschebart und der Krone auf dem Kopf.
Und natürlich das schöne Buch mit den drei frechen kleinen Mäusen, die lauter lustige Abenteuer erleben. Du wünschst dir, du könntest mit ihnen zusammen spannende Abenteuer erleben.
Doch was ist das, der Deckel von deinem Schmuckkästchen fängt plötzlich an zu ruckeln und zu wackeln. Vorsichtig öffnest du ihn und schaust hinein. Die schöne Melodie erklingt und aus dem Kästchen heraus klettert die kleine Fee. Lachend hüpft sie über deinen Schoß, auf das Sofa und dann auf den Fußboden. Sie schwingt ihren Zauberstab und Ping, ist sie so groß wie eine erwachsene Frau. Sie hat goldene lockige Haare und ein wunderschönes weißes Kleid an, mit einem bauschigen Tüllrock. Der Zauberstab in ihren Händen glitzert und funkelt.
Wieder schwingt sie den Stab und diesmal erwacht der Nussknacker zum leben. Auch er wird groß und verbeugt sich feierlich vor der Fee. Die beiden fangen an zu tanzen. Sie schweben durch das Wohnzimmer und drehen und drehen sich, schneller und immer schneller. Dabei wirbelt Feenstaub durch den Raum. Ein paar glitzernde Funken landen auf dem Buch.
Da hüpfen auf einmal die drei kleinen Mäuse heraus und laufen lachend über den Fußboden. Eine von ihnen wirft sich ein Tuch über die Schulter und setzt sich deine Spielkrone auf den Kopf. Sie läuft hinter den anderen her und tut so, als würde se sie herum kommandieren. Die Fee und der Nussknacker sehen die Mäuse nicht und so tanzen sie arglos weiter.
Da gerät die Maus mit der Krone auf dem Kopf zwischen die Beine des Nussknackers und der arme stolpert und landet mit lautem Getöse auf dem Boden. Seine Krone sitzt jetzt ganz schief auf seinem Kopf. Der Mausekönig rollt wie ein Filzball durch den Raum, landet mit großen Augen auf dem Rücken und rudert mit den Ärmchen und Beinchen. Das sieht so lustig aus, dass du anfängst, laut zu lachen.
Da bemerken dich auf einmal die anderen. Die Fee kommt lachend auf dich zu und reicht dir ihre Hand. Als du aufstehst, stehst du plötzlich in einem prächtigen Ballsaal. Samtblaue Vorhänge hängen an den riesigen Fenstern und die weißen Wände sind mit Stuck verziert. Funkelnde Kronleuchter hängen an den Decken und überall leuchten Kerzen. Es duftet herrlich weihnachtlich und kleine Mäuse mit schwarzen Gehröcken und weißen Tüchern über den Ärmchen flitzen durch die Gegend und verteilen Punsch an die Gäste. In einer Ecke spielt ein kleines Orchester aus Mäusen und auf einer Bühne sitzt der kleine Mausekönig, jetzt in einen flauschigen Hermelin gekleidet, mit einer Mausekönigin in einem königlichen Ballkleid an seiner Seite, auf einem Thron. Die Gäste sind beeindruckend und prunkvoll gekleidet. Dort tanzt eine japanische Geisha in blauer Seide mit Kirschblütenmuster, dort eine spanische Tänzerin mit schwarzer Bluse und einem roten, wallenden Rock. Eine indische Tänzerin mit glitzernden bunt bestickten Tüchern zeigt einen traditionellen Bauchtanz. Und in der Mitte des Raumes führen russische Tänzer mit runden Pelzmützen auf dem Kopf den traditionellen Kosatschok vor.
Der Nussknacker nimmt dich an der Hand und führt dich auf die Tanzfläche. Du hast jetzt ein wunderschönes Schneefarbenes Kleid, mit einer langen Schleppe und glitzernden Sternen bedruckt an. Und während ihr durch den Ballsaal tanzt, laufen die frechen Mäuse lachend um dich herum und drehen dich immer schneller und schneller. Du musst so lachen, dass die der Bauch weh tut. Ist das herrlich. Die Zeit vergeht wie im Flug. Da hebt der Mausekönig sein Zepter und verkündet das Ende der Ballnacht. Alle verbeugen sich dankbar und ehrfürchtig. Du schließt deine Augen, um noch einmal ganz tief den herrlichen Duft einzuatmen. Und als du die Augen öffnest, liegst du in deinem Bettchen, deine Mama sitzt lächelnd über dich gebeugt davor und streichelt dir das Haar. Sie gibt dir einen sanften Kuss und seelig lächelnd, mit dem Nussknacker im Arm, schlummerst du friedlich ein.